Verlängerter Einsatz

Die LHF 16/12 der Berliner Feuerwehr werden einer Generalsanierung unterzogen, damit sie über die geplante Nutzungsdauer hinaus eingesetzt werden können.

Löschhilfeleistungsfahrzeuge (LHF) sind die Allrounder der Berliner Feuerwehr, sie spricht selbst von ihren „Schweizer Messern“, so vielseitig sind die Fahrzeuge für die unterschiedlichsten Einsatzszenarien gerüstet. Zur Fahrzeugflotte gehören mehr als 170 LHF, davon allein über 100 LHF 16/12, deren Durchschnittsalter inzwischen mehrere Jahre über der geplanten Nutzungsdauer liegt. Und sie müssen noch länger im Dienst bleiben, deshalb hat die Berliner Feuerwehr entschieden, die Fahrzeuge ab Baujahr 2001 einer Generalüberholung zu unterziehen.

43 City-LHF wurden bereits instandgesetzt und modernisiert, weitere werden folgen. Was alles an den Fahrzeugen gemacht wurde und wird, wie das Reparaturprogramm, in das auch Rosenbauer eingebunden ist, geplant werden musste, damit der Regelablauf in den Wachen nicht gestört wird, und wie die Aktion bei den Feuerwehren ankommt, beantwortet Christoph Stiller, Referatsleiter Instandhaltung Fahrzeuge und Geräte bei der Berliner Feuerwehr, im folgenden Interview:

Herr Stiller, was waren die wichtigsten Gründe und Ziele für das Refurbishment der LHF 16/12?

Christoph Stiller: Mit den LHF arbeiten wir den weitaus größten Teil unserer Einsätze ab, egal ob es sich dabei um technische Hilfeleistungen, Brand- oder Rettungseinsätze handelt. Unsere LHF-Flotte muss daher immer einsatzbereit und am Stand der Technik sein.

Das war bei den älteren Fahrzeugen nicht mehr der Fall, diese durch neue zu ersetzen war kurzfristig nicht möglich. So haben wir ein Reparaturprogramm entwickelt mit dem Ziel, die Nutzungsdauer der Fahrzeuge um mindestens fünf Jahre zu verlängern und damit gleichzeitig die Ausfallsicherheit unseres Fuhrparkes zu erhöhen.

Worauf liegt das Hauptaugenmerk bei der Generalsanierung der Fahrzeuge?

Christoph Stiller: Zum einen auf den tragenden Teilen des feuerwehrtechnischen Aufbaus, zum anderen an der im Fahrzeug verbauten Wassertechnik. Und weil wir dafür den Aufbau ohnehin demontieren müssen und dabei das Chassis freigelegt wird, lassen wir auch gleich Fahrwerkskomponenten wie Achsen, Federn und Bremszylinder überprüfen, beschädigte Teile wechseln, Karosserieteile ausbessern und undichte Hydraulikanschlüsse erneuern.

Wie läuft das Reparaturprogramm konkret ab und welche Maßnahmen werden gesetzt?

Christoph Stiller: Die Fahrzeuge werden zuerst auf sichtbare Mängel überprüft und der Fahrzeugzustand umfassend fotografisch dokumentiert. Besondere Bedeutung kommt dabei der Verbindung zwischen Chassis und Aufbau zu, also Fahrzeug- und Hilfsrahmen, weil diese Teile am stärksten beansprucht werden. Bei den Aufbauten selbst werden insbesondere Dichtungen erneuert, beschädigte Lamellen von Rollladenverschlüssen ersetzt, verschlissene Halterungsbänder ersetzt und defekte Leuchten, Leuchtmittel bzw. Schalter und Anzeigen getauscht, um die wichtigsten Maßnahmen zu erwähnen.

Die Feuerlöschpumpe wird ausgebaut, auf Dichtheit und Leistung überprüft und komplett überholt. Dabei müssen teils ganze Pumpenbauteile ersetzt, verschlissene Ventile getauscht und neue Klappen verbaut werden, weil das Wasser aus den Berliner Tiefbrunnen, mit dem wir unsere Löschmitteltanks füllen, sehr sandig ist.

Was war die größte Herausforderung in diesem Projekt?

Christoph Stiller: Alle an dem Reparaturprogramm Beteiligten in ein, „gedankliches Karussell“ zu bringen: unsere eigenen Werkstätten, die Serviceabteilungen von Rosenbauer und MAN sowie eine Reihe weiterer, externer Partner. Deshalb haben wir extra einen Kollegen abgestellt, der die komplexe Logistik überwacht und ein scharfes Controlling dahinter sicherstellt.

Er sorgt zum Beispiel dafür, dass keine Werkstatt überstrapaziert wird, die Fahrzeuge rechtzeitig von einer zur anderen überstellt werden, die frei gewordenen Plätze sofort wieder „nachbesetzt“ und die Termine eingehalten werden. Man kann sich das vorstellen wir eine Taktfertigung über mehrere Standorte hinweg – und das klappt inzwischen wunderbar.

Was sagen die Feuerwehren über ihre „neuen“ Fahrzeuge?

Christoph Stiller: Die sind hellauf begeistert. Das hat zum einen damit zu tun, dass sie nun wieder über voll funktionsfähige Fahrzeuge am Stand der Technik verfügen. Das liegt aber auch ein wenig daran, dass wir im Rahmen des Reparaturprogramms Maßnahmen gesetzt haben, die der verbesserten Ergonomie und einem verbesserten Bedienkomfort dienen. Ein Beispiel dafür ist der Einbau neuer Dämpfer in die Sitzbänke, dort wo sie defekt waren. Jetzt knallen sie nicht mehr ungebremst auf den Rahmen sondern schließen sanft – eine Verletzungsgefahr und Kleinigkeit weniger, die nervt.

Ein anderes die Komplettreinigung der Fahrzeuge innen und außen. Das macht schon einen gewaltigen Unterschied, wenn man sich im Mannschaftsraum wieder wohl fühlen kann, alles an seinem Platz ist und die Geräte allesamt funktionieren. Außerdem haben wir die Fahrzeuge neu folieren lassen. Das hebt nicht nur den Gesamteindruck, sondern sie entsprechen nun auch dem aktuellen Corporate Design der Berliner Feuerwehr. Alles in allem eine gelungene Aktion, die weiter fortgesetzt wird.

Danke für das Gespräch.

Porträt LHF 16/12

  •  Fahrgestell: MB Atego / MAN 10.224
  •  Besatzung: 1 + 8
  •  Löschmitteltanks: 1.200 l Wasser, 120 l Schaummittel
  •  Feuerlöschpumpe: R240 mit 1.600 l/min bei 8 bar (FP 16/8)
  •  Drucklüfter
  •  Turbozumischer für Schaumeinsatz
  •  hydraulische Kombigerät (Schere, Spreitzer)
  •  Stromerzeuger
  •  Werkzeugsatz
  •  Tauchpumpe
  •  Flutlichtstrahler
  •  Abmessungen: L x B x H: 7,70 x 2,30 x 3,03 m (mit Haspel: 7,98 m)
  •  Gesamtgewicht: 10.5 t