Vorzüge des effektiven Lüftereinsatzes

Interview mit Torsten Bodensiek von taktischeventilation.com über die Vorzüge des effektiven Lüftereinsatzes.

Weg von der Belüftung nach dem Einsatz, hin zur taktischen Maßnahme für die eigene Sicherheit und den Gesamterfolg des Einsatzes, das ist das Credo von Torsten Bodensiek. Er ist überzeugter Befürworter der taktischen Ventilation, gibt seine Erfahrungen in Seminaren und Fachvorträgen weiter und rät den Feuerwehren, leistungsstarke Lüfter wie den Rosenbauer FANERGY als Erstangriffsmittel zu nutzen.

Herr Bodensiek, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit der taktischen Ventilation. Woher kommt diese Leidenschaft?

Torsten Bodensiek:
Ich habe 2008 für die Werkfeuerwehr bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover einen mobilen Großventilator als „autarke Ventilationseinheit“ angeschafft. Umfangreiche Tests und Messungen haben ergeben, dass kleine Lüfter bei den Gebäudegrößen im Werk kaum Wirkung zeigen, um eine entsprechende Entrauchung zu erreichen. Durch die Leistungsparameter des Großlüfters hingegen ist es möglich, die Rauchgase effektiver und schneller zu steuern bzw. zu entfernen. Seither gilt diesem Thema meine Aufmerksamkeit.

Was bringt der aktive Lüftereinsatz, wo sehen Sie die entscheidenden Vorteile?

Torsten Bodensiek:
Er bringt vor allem mehr Sicherheit! Wir können die Einsatzkräfte beim Innenangriff besser schützen, weil sie mit dem Luftstrom, den der Lüfter im Gebäude erzeugt, vorgehen. Sie sehen wieder etwas, sind nicht mehr nur auf den Tastsinn zur Orientierung angewiesen und schneller bei den Personen, die es zu retten gilt. Für die zu rettenden Menschen wiederum ist Luft ohnehin wichtiger als Wasser, deshalb sollte der Lüfter immer auch als Ersteinsatzmittel geprüft werden. Natürlich in Verbindung mit einer geeigneten Löschmaßnahme. Wasser für die Flammen. Lüfter für den Rauch.

Zusammengefasst: Angriffs- und Fluchtwege freihalten, bessere Chancen zum Überleben für die zu rettenden Personen, schnellere Menschenrettung, effizientere Bandbekämpfung und eine gezielte Löschmittelabgabe, das sind die entscheidenden Vorteile der taktischen Ventilation.

Die Sie nicht nur Werkfeuerwehren empfehlen?

Torsten Bodensiek:
Jede Feuerwehr, die in ihrem Zuständigkeitsbereich Objekte wie Kliniken, Alten- und Pflegeheime, Schulen, Tiefgarargen, Messehallen und dergleichen hat, sollte auch die geeigneten technischen Mittel vorhalten, um diese effizient entrauchen zu können. Mit einer gut ausgestatteten und „autarken Ventilationseinheit“ ist es möglich, eigenständig im Einsatz zu arbeiten, einen Entrauchungsvorgang einzuleiten bzw. die Vorbereitungen hierfür zu schaffen.

Sie wirken auch als Berater bei der Entwicklung von Lüftern wie dem Rosenbauer FANERGY mit. Was sagen Sie den Herstellern, worauf es ankommt?

Torsten Bodensiek:
Technische Geräte sollten aus Sicht der Bediener entwickelt und auf deren Bedürfnisse angepasst werden. Die Ausrüstungsgegenstände müssen nicht nur in einem Testlabor sondern auch im Dunkeln, bei Kälte und unter einem gewissen Stressfaktor gut funktionieren sowie einfach und effizient bedienbar sein. Positive wie negative Erfahrungswerte aus der Einsatzpraxis sollten bei diesem Entwicklungsprozess immer mit einfließen.

Und den Feuerwehren, welche Botschaft, auf den Punkt gebracht, vermitteln Sie diesen in Ihren Seminaren?

Torsten Bodensiek:
Ein Lüfter ist immer nur so gut wie die Hand, die ihn bedient!!!


Internet: taktischeventilation.com

Buchtipp: Gerhards, Bodensiek: Quickcheck Taktische Ventilation, 2. Auflage, 2016, Ecomed Verlag.

Im Sommer erscheint im gleichen Verlag der „große Bruder“ des Qickcheck, ein leicht verständlicher Leitfaden für die Feuerwehren, in dem Torsten Bodensiek auch seine umfangreiche Expertise und langjährige Erfahrungen mit dem Thema „taktische Ventilation“ zusammengefasst hat.