Zwei Welten: AVENGER vs. AT

Weiße, grüne, blaue, schwarze, ja sogar lilafarbene Feuerwehrfahrzeuge, wo gibt’s denn so etwas? Während die Fahrzeuge in Europa, jedenfalls überwiegend, in der Farbe RAL 3000 – feuerrot – lackiert sind, kommen sie in den USA bunt wie der Regenbogen daher. Schon auf den ersten Blick wird erkennbar: US-amerikanische und europäische Feuerwehrfahrzeuge unterscheiden sich deutlich, das sind zwei Welten.

Großzügig dimensioniert

Es ist zum einen der Infrastruktur geschuldet, warum Feuerwehrfahrzeuge aussehen wie sie aussehen. In den USA: offen angelegte Städte, breite Straßen, viel Platz für den Verkehr. In Europa: historisch gewachsene Stadtkerne, enge Altstadtgassen, viel Verkehr auf wenig Platz. US-Feuerwehrfahrzeuge sind daher traditionell großzügiger dimensioniert und wirken massiver als ihre europäischen Pendants.

 

Wenn man einen Rosenbauer CL als Kastenwagenumbau einem Rosenbauer Pumper auf COMMANDER-Chassis gegenüberstellt, sind fast vier Meter Unterschied in der Fahrzeuglänge. Bei durchaus vergleichbarem Funktionsumfang! Das in Deutschland und Österreich genormte HLF 20 darf maximal 8,6 m lang sein, inklusive Aufprotzhaspel. Der durchschnittliche US-Allrounder (EMS, Fire und Rescue) ist zehn Meter lang, dazu kommt noch eine um bis zu 60 cm verlängerte Stoßstange. Elf Meter ist laut Norm die erlaubte Länge für eine deutsche Drehleiter der 30m-Klasse, in den USA sind Fahrzeuge mit gleicher Rettungshöhe bis zu 15 m lang. Und eine Tiller-Ladder, aufgebaut auf Sattelzuggespann, bringt es sogar auf 20 Meter.

Verspielt in den Designs

Es sind aber auch die größeren Freiheiten, die US-Feuerwehren bei der Designgebung ihrer Fahrzeuge haben, die den Unterschied ausmachen. Amerikanische Feuerwehrfahrzeuge wirken individueller und verspielter als europäische. Die eingangs erwähnte Lackierung ist dabei nur ein Aspekt. Ein anderer beispielsweise die Farbgestaltung der Warneinrichtungen: rote statt blaue Rundumkennleuchten oder gleich ein vielfärbiges „Blitzermeer“ an der Fahrzeugfront, das alle Stücke spielt. Kühlergrills werden mit „Stars and Stripes“ verziert, statt Funkruf- stehen Cosenamen wie „Pride of Hells Kitchen“ auf der Mannschaftsraumtür. Chrom blitzt zudem häufig aus allen Ecken, analoge Rundinstrumente und massive Hebel statt digitale Anzeigen und Taster bestimmen das Aussehen der Pumpenbedienstände.

Aufgebaut auf Custom Chassis

Einen wesentlichen Unterschied gibt es auch bei den Chassis (Fahrgestell samt Fahrerhaus), auf die die Feuerwehrfahrzeuge aufgebaut werden. Während man in Europa Fahrgestelle von großen Nutzfahrzeugherstellern verwendet, verfügt die US-Feuerwehrindustrie über eigenen Chassis und wird so zum Single Source Provider ihrer Kunden.

 

Rosenbauer America hat drei Custom Chassis im Angebot: das Flagship-Modell COMMANDER mit der größten Variabilität, das Basismodell WARRIOR in definierten Varianten und den neuen AVENGER, der eine Linienführung aufweist, die seinen robusten Charakter unterstreicht und man so bei US-Feuerwehrfahrzeugen noch nicht gesehen hat. Produziert werden die Chassis von Rosenbauer Motors am Standort Wyoming, Minnesota in zwei Breiten und zahlreichen Kabinenoptionen (sieben Längen, fünf Dachhöhen, individuell gestaltbarer Innenraum).

 

Die größte Gemeinsamkeit von amerikanischen und europäischen Feuerwehrfahrzeugen ist ihre Frontpartie. Hier haben sich mittlerweile auch in den USA die „Plattnasen“ durchgesetzt und sind die Custom Chassis ausschließlich Frontlenker. Sollte eine Feuerwehr auf einen Langhauber bestehen, wird das Fahrzeug natürlich auch auf einem solchen Chassis (z.B. Kenworth T370 oder International Lonestar) realisiert.

In beiden Welten zuhause

Grundsätzlich beschreiben Normen, wie Feuerwehrfahrzeuge auszusehen haben und welchen Funktionsumfang sie abdecken müssen. In Europa ist das die EN 1846 bzw. sind es die daraus abgeleiteten nationalen Normen wie die DIN EN 1846. In den USA gibt die NFPA 1901 (National Fire Protection Agency) vor, wie Feuerwehrfahrzeuge hinsichtlich Sicherheit, Funktionalität, Leistungsfähigkeit und Bedienerfreundlichkeit zu bauen sind.

 

Rosenbauer ist der einzige internationale Feuerwehrausstatter, der beide Normenwelten abdeckt. Die Feuerwehrmärkte in Europa bedient der Konzern mit den Baureihen CL, AT, ET und CBS. Für den US-Markt können die drei genannten Chassistypen mit vier verschiedenen Aufbauvarianten kombiniert werden. Das sich daraus ergebende Komplettangebot deckt hier wie dort alle Arten von Fahrzeugen ab, die die Feuerwehren für ihre unterschiedlichen Einsätze benötigen. Auch die Symbiose beider Welten ist bereits realisiert: der AT Commander, ein Feuerwehrfahrzeug mit europäischem Aufbau und amerikanischem Chassis.