Löschriese auf Schiene

Über den Diabolo-Tunnel wird der Brüsseler Flughafen an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn angebunden. Mit den Superzügen Eurostar und Thalys sind Reisen vom Flughafen ohne Umsteigen nach Köln, Amsterdam, Paris oder London möglich. Um den Reisenden höchste Sicherheit zu bieten, wurden vom belgischen Bahnbetreiber Infrabel spezielle Zwei-Wege-Fahrzeuge von Rosenbauer geordert. Aufgebaut auf MAN-Fahrgestelle mit 6x6-Allradantrieb und 540 PS Motorleistung begibt man sich mit diesen Spezialfahrzeugen auf ungewöhnliches Terrain - mit Allradantrieb auf der Straße und mit einem Schienenfahrwerk auf Gleisen zum Einsatz. Ausgerüstet für Lösch- und Rettungseinsätze mit einem umfassenden, hochwertigen Eigenschutz- und Löschsystem liegt ihr Zuständigkeitsbereich daher unter anderem im Brandschutz des 2,127 km langen Diabolo-Tunnels unter dem Brüsseler Flughafen. Die Feuerwehren fahren auf Rädern zum Tunnelportal, über eine Rampe auf den Gleiskörper, senken die dreiachsigen Schienenfahrwerke ab und können dann mit bis zu 40 km/h den Tunnel befahren.

Präzise in der Spur

In rund drei Minuten sind die Fahrzeuge aufgegleist, dafür weder Hilfs- noch Hebemittel erforderlich, und der Aufgleisvorgang kann sowohl über Kabel-Fernsteuerung von außen, als auch mit der Bedienung im Fahrerhaus gesteuert werden. Die Besatzung muss zu keiner Zeit das Cockpit verlassen. Über Hilfskameras an jeder Fahrzeugachse wird der Aufgleisvorgang überwacht, um das Schienenfahrwerk präzise in die Spur zu stellen. Gleichzeitig wird das zwölf Meter lange Fahrzeug hydraulisch angehoben und werden die Straßenräder hochgezogen, damit ist die Feuerwehr fahrbereit. Das Cockpit-Display zeigt nun den Schienenfahrmodus an, in dem das Lenkrad mechanisch blockiert ist. Alles andere bleibt für den Fahrer gleich wie auf der Straße: Gas geben mit dem Gaspedal, Bremsen mit dem Bremspedal.

Leistungsstarke Löschfahrzeuge ...

Für Löscharbeiten sind die Fahrzeuge mit leistungsstarken N55-Pumpen (5.000 l/min. bei 10 bar), AQUAMATIC Kombi-Schaumzumischsystemen und RM25C-Stoßstangenmonitoren ausgestattet. Die Doppel-AQUAMATIC steuert je nach Bedarf zwei unterschiedliche Schaummitteltanks an, einen mit 375 l Klasse B- und einen mit 125 l Klasse A-Schaummittel. Die Wassertanks der Fahrzeuge fassen 2.500 l, links und rechts an den Karosserien befinden sich LED-Tankinhaltsanzeigen. Außerhalb der Tunnel, bei Gebäude-, Fahrzeug- oder Flurbränden, werden die 2-Wege-Fahrzeuge als klassische Rüstlöschfahrzeuge eingesetzt. Im Diabolo-Tunnel sind aber vor allem ihre speziellen Eigenschaften gefragt.

... mit besonderen Qualitäten

Dazu gehören in erster Linie die umfangreichen Sicherheitseinrichtungen: Jedes Fahrzeug verfügt über Pump&Roll-Betrieb, kann also gleichzeitig Fahren und Löschen, sowie über Sprühdüsen, die die Kabine schützen. Die Düsen sitzen an Inox-Leitungen, die außen um das Fahrzeug geführt werden. Umfangreiche Gasmesstechnik steht zur Verfügung, um die Schadstoffkonzentration (Kohlenmonoxid, Schwefelwasserstoffe, Blausäure etc.) in den Tunnels festzustellen. Und für die Besatzung wird ein Atemluftvorrat von 90.000 l mitgeführt. Jeder Sitz in der Kabine, auch der von Fahrer und Beifahrer, ist mit einer Halterung für Langzeitatmer (Twin Pack Geräte mit 2x 6,8 l Flaschen) samt Direktfüllanschluss ausgestattet. Somit hat jedes Besatzungsmitglied einen Luftvorrat von mindestens drei Stunden zur Verfügung.

Über einen Notantrieb können die Fahrzeuge den Tunnel verlassen, sollte der Sauerstoffgehalt so weit sinken, dass der Dieselmotor ausfällt. Dieser besteht aus einem Elektromotor mit ca. 16 kW Leistung und zwei Batteriepakete aus Bleibatterien. Infrarotkameras vorne und hinten verschaffen der Fahrzeugbesatzung Sicht auch in völlig verrauchten Röhren. Über ein spezielles Navigationssystem auf Basis von GPS behält sie die Orientierung. Alle Messdaten und Infrarot-Bilder werden im Cockpit-Display angezeigt.

Umfassende Bergeausrüstung

Zur Ausrüstung der 33 Tonnen schweren Rüstlöschfahrzeuge gehören unter anderem besonders leistungsfähige Hebesysteme wie hydraulische Lastheber, Keilzylinder oder Hochdruck-Hebekissen. Damit können Eisenbahnwaggons angehoben und wieder auf die Schienen gestellt werden. Weiters ist im Fahrgestellrahmen eine hydraulische Seilwinde verbaut die bei Straßen- und Schienenbetrieb eingesetzt wird. Um Menschen aus eingeklemmten Wracks zu retten, ist auf den Fahrzeugen ein hydraulischer Rettungssatz gehaltert, um Einsatzstellen oder Tunnel auszuleuchten, ist der Lichtmast FLEXILIGHT verbaut. Den Strom dafür erzeugen die Fahrzeuge selbst: Im Aufbau ist ein 40 kVA Einbaugenerator untergebracht, der vom Fahrzeugmotor mittelbar über Hydraulikpumpen angetrieben wird.