"Wir verwenden bei jedem Brandeinsatz CAFS."

Zu ca. 150 Brandeinsätzen - vom brennenden Mistkübel bis zu Großbränden - wird die Feuerwehr der Stadt Wels jährlich gerufen. Bei 130 Einsätzen kommt das CAFS System von Rosenbauer zum Löscheinsatz. Und die anderen 20? Die sind bereits vor dem Eintreffen der Feuerwehr wieder gelöscht. Im Interview erklärt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wels, Branddirektor Ing. Franz Humer, warum man auf das CAFS System vertraut.

Rosenbauer: Seit wann wird in Wels das CAFS-System verwendet?

BD Ing. Franz Humer, MSc: Unsere beiden Rüstlöschfahrzeuge (RLF) sind mit einem CAFS-System ausgerüstet. Eines steht seit 2010 im Dienst, das andere seit 2008.

 

Wie wird bei einem Brandeinsatz vorgegangen?

Die RLF sind bei uns erstausrückend. Andere Fahrzeuge werden im Bedarfsfall später alarmiert. Das ersteintreffende RLF löscht mit nassem CAF-Schaum. Auch ein zweites Rohr wird immer vorgenommen. Weitere Fahrzeuge sind eine technische Redundanz und eigentlich nur mehr bei wirklichen Großbränden nötig. Das zweite eintreffende Fahrzeug speist sein Wasser gleich dem erstausrückenden RLF.

 

Was sind Ihre Erfahrungen bei der Verlegung von Schlauchleitungen?

Das geringere Gewicht der Schläuche ist natürlich ein immenser Vorteil im Einsatz. Grundsätzlich gibt es mit Schlauchknicken in der Praxis keine Probleme. Wir verwenden im Einsatz Schnellangriffsverteiler. Der Maschinist legt relativ nah zum Gebäudeeingang den B-Schlauch und setzt den Verteiler. Das gilt auch für die Brandbekämpfung im Freien. Dann gehen wir grundsätzlich mit C42 vor. Je 3 Stück im Schlauchträgerkorb, in jedem Korb ist auch ein Absperrventil vorhanden. Durch das Verlegen haben wir ein Problem weniger als jene, die sich Schlauchbuchten vorbereiten und diese nachziehen müssen.

 

Gibt es Ihrer Meinung nach Vorteile bei der direkten Brandbekämpfung mit CAF- Schaum?

Das Um und Auf ist der kompetente Strahlrohrführer. Dieser kann sehr einfach wahrnehmen, wo man schon eine Löschwirkung erzielt hat. Mit Wasser hat man ja kaum eine Orientierungshilfe, der CAF-Schaum bleibt jedoch an abgekühlten Oberflächen haften. Man kann das Feuer durch den Einsatz von CAFS sehr schnell brechen. So hat man durch den Einsatz von CAFS bedeutend weniger Wasserschäden. Beim Einsatz von Wasser muss viel mehr "auf Verdacht" gelöscht werden. CAFS wird auch zur Vermeidung einer weiteren Brandausbreitung verwendet. Weiters ist die Rückbrandsicherheit wesentlich höher. Wir haben in der Anfangsphase sogar Schreiben von Versicherungen bekommen, dass es fast unglaublich ist, wie wenig beim Löschen beschädigt wurde.

 

Funktioniert CAF-Schaum auch zur Kühlung von Rauchgasen?

Zum normalen Kühlen der Rauchgase reicht CAFS vollkommen aus. Die Raumwirkung von Wasser ist gut, aber Oberflächen wie z.B. eine Zimmerdecke werden durch CAFS viel besser gekühlt. Die Decke hat viel Speichervolumen für Hitze, hier funktioniert die Kühlung mit CAFS viel besser. In unseren Breiten ist es ja so, dass der Flashover schon lange passiert ist, bevor die Feuerwehr am Einsatzort eintrifft.

 

Mit CAF-Schaum kann man auch relativ große Wurfweiten und -höhen erzielen. Wird das im Einsatz ausgenutzt?

Wir verwenden CAFS auch bei der Drehleiter und unserer 42 m Arbeitsbühne. Mit anderen Zumischsystemen kann man das Löschmittel ja gar nicht in solche Höhen bringen.

 

Verwenden Sie im Einsatz auch trockenen CAF-Schaum?

Ja. Wir fangen mit nassem CAF-Schaum an, dann wird automatisch auf trocken umgestellt. Zum Brechen des Feuers wird nasser CAF-Schaum verwendet, dann wird trocken weiter gearbeitet. Mit trockenem CAF-Schaum werden oft auch angrenzende Gebäude geschützt.

 

Wie schwierig ist es für den Maschinisten, neben der Pumpe auch noch das CAFS-System zu bedienen?

Für den Maschinisten ist das eigentlich kaum ein Mehraufwand. Er muss ja nicht ins System eingreifen, sondern hat eine einfach zu überblickende Bedienoberfläche. Er braucht hier nur die entsprechenden Tasten zu drücken. Das geht mit der normalen Ausbildung ganz leicht mit. Die größere Herausforderung ist die Ausbildung der Strahlrohrführer. Hier gibt es ein konkretes Strahlrohr-Training, damit man das System bedienen kann.

 

Wie sieht die Ausbildung bei der FF Wels aus?

In der Grundausbildung werden zwei Tage ausschließlich dafür aufgewendet, das Strahlrohr kennenzulernen. Es wird oft verglichen mit dem Bundesheer: Ein Grundwehrdiener muss auch sein Gewehr zerlegen, am Ende sogar blind. So ähnlich läuft das bei uns auch ab. Wenn man sich im Einsatz in einem verrauchten Raum befindet, muss man sein Strahlrohr auch blind bedienen können. Der Feuerwehrmann muss wissen was passiert, wenn er nach rechts oder nach links dreht. Die CAFS Ausbildung läuft bei uns mit der normalen Ausbildung mit. Was "vorne herauskommt", ist zu Beginn zweitrangig - man muss mit dem System zurechtkommen. Später wird dann schon speziell mit CAF-Schaum geübt, damit man die Vorteile kennen lernt.

 

Welche Bilanz ziehen Sie jetzt nach den sechs Jahren Erfahrungen, die Sie in Wels mit CAFS gemacht haben?

Wir waren immer schon eine Feuerwehr, die viel mit Schaum gelöscht hat. Wir sind bereits seit langem überzeugt davon, dass Schaum Sinn macht, dass er das Wasser "besser" macht. Die negativen Eigenschaften von Wasser wie keine Durchdringung oder Abperlen an der Oberfläche kann man mit Schaum wettmachen. Die Führungskräfte waren darauf vorbereitet, weil wir ja bei fast jedem Einsatz vorher auch schon Schaum verwendet haben. Da war CAFS die logische Konsequenz. Wir haben die Druckzumischer-Welle übersprungen und sind gleich bei der Hightech-Variante angekommen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!