Umrüstung von fluorhaltigen auf fluorfreie Schaummittel in stationären Löschanlagen


Löschschaum ist bei der Brandbekämpfung im stationären sowie mobilen Bereich nicht wegzudenken. Die Thematik hat sich jedoch in den letzten Jahren stark verändert aufgrund der gesetzlichen Änderungen zur Verwendung von „fluor“-haltigen Schaummitteln. Im Gespräch mit Jens Stubenrauch, zertifizierter Sachverständiger für Schaumlöschmittel und Schaumlöschtechnik von FlameCert® Fire Risk Research, gibt dieser Einblick in den Umgang mit fluorhaltigen und fluorfreien Schaummitteln, und was bei der Umrüstung von Bestandsanlagen bedacht werden muss.

Dürfen fluorhaltige Schaummittel wie AFFF noch verwendet werden?

J. Stubenrauch:
In fluorhaltigen Schaummitteln befinden sich Stoffe aus der Stoffgruppe der poly- und perfluorierten Tenside. Einige dieser Stoffe wurden reglementiert. So gilt z.B. seit dem 27.06.2011 für Perfluoroktansulfonat (PFOS) ein Grenzwert von 10 mg/kg und diese Substanz darf nicht mehr produziert oder eingesetzt werden. Seit 04.07.2020 gelten Grenzwerte auch für PFOA (Perfluoroktansäure) sowie deren Vorläufer- oder Abbauprodukte.

Gründe für die Reglementierung der genannten Stoffe sind vor allem deren äußerst stabile Eigenschaften. Es handelt sich um Verbindungen, die vom Mensch gemacht sind und in der Umwelt nicht nennenswert abgebaut werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass jedes Fluormolekül, das irgendwann produziert wurde, noch irgendwo auf dieser Welt vorhanden ist. Sie können sich im Trinkwasser, im Menschen, in Meerestieren und der Vegetation anreichern. Des Weiteren wurden sie als gesundheitsschädlich eingestuft.

Aus diesem Grund werden in den Neuanlagen, wo dies möglich ist, nur noch fluorfreie Schaummittel verwendet, und auch Bestandsanlagen müssen nachgerüstet werden.

Wie werden Schaummittel richtig entsorgt?

J. Stubenrauch:
Schaumlöschmittel sowie auch auf den Brand ausgebrachtes Löschwasser darf nur von zertifizierten Entsorgungsbetrieben entsorgt werden. Üblicherweise werden fluorhaltige Schaummittel in Sondermüll-Verbrennungsanlagen unschädlich gemacht. Für die Entsorgungsfirma sind dabei die Sicherheitsdatenblätter bzw. die darin enthaltenen Entsorgungsschlüssel wichtig. Für den Betreiber von Löschanlagen oder einer Feuerwehr ist es wichtig, einen entsprechenden Entsorgungsnachweis zu erhalten.

Müssen beim Umstieg von PFOS- und PFOA-haltigen Schaummitteln auf fluorfreie Schaummittel Bestandsanlagen umgebaut werden?

J. Stubenrauch:
Ob eine Löschanlage für die Nutzung mit einem fluorfreien Schaumlöschmittel umgebaut werden muss, ergibt sich beim Erstellen eines Umnutzungskonzeptes. Das ist als erster Schritt notwendig, um herauszufinden, ob und mit welchem Aufwand ein Wechsel des Löschmittels möglich ist. Einen Löschmitteltausch ohne fachliches Gutachten durchzuführen, ist keine gute Idee. Das kann sowohl die Funktionalität der Löschanlage beeinträchtigen, als auch rechtliche Konsequenzen sowie den Verlust des Versicherungsschutzes zur Folge haben. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass es aktuell kein fluorfreies Schaumlöschmittel am Markt gibt, das ein fluorhaltiges Produkt ohne Einschränkungen eins-zu-eins ersetzen kann.

Welche Änderungen müssen bei einer Löschanlage beim Umstieg durchgeführt werden?

J. Stubenrauch:
Fluorfreie Schaumlöschmittel haben eine völlig andere Wirkweise als fluorhaltige Produkte. Hinzu kommen physikalische Eigenschaften der Schaummittelkonzentrate, die sich deutlich voneinander unterscheiden.

Aus diesen Gründen kann es notwendig sein, Zumischsysteme auszutauschen, Applikationsraten zu verändern oder schaumerzeugende Bauteile zu wechseln. Das sind nur einige Beispiele. In der Praxis ergeben sich oft noch weit komplexere Zusammenhänge die betrachtet werden müssen, um den wirksamen Schutz einer Löschanlage zu erhalten.

Wie häufig muss fluorfreies Schaummittel getauscht werden?

J. Stubenrauch:
Für die Nutzungsdauer eines Schaumlöschmittels sind in erster Linie dessen Qualität und die Lagerbedingungen entscheidend. Produkte mit großen Leistungsreserven bleiben auch bei einem fortschreitenden Alterungsprozess noch lange ausreichend leistungsfähig. Allerdings werden Produkte mit großen Leistungsreserven mit Sicherheit nicht zum billigsten Preis verkauft. Für Schaumlöschmittel in stationären Löschanlagen gilt lt. diverser Anlagenregelwerke wie z.B. vom VdS oder FM die Pflicht zur jährlichen Routinemusteruntersuchung. Versicherer können jedoch auch kürzere Intervalle verlangen. 

Wenn ein Umstieg von Schaummitteln auf eine umweltfreundlichere, fluorfreie Alternative ansteht, ist Rosenbauer der richtige Ansprechpartner. Wir beraten und koordinieren, und können anfallende Umbauarbeiten auch fachgerecht durchführen.