Löschgigant schützt Ozeanriese

Die Rosenbauer Highend-Hubrettungsbühne B60 ist das neue Flaggschiff der Werkfeuerwehr von MV WERFTEN.

Sie ist zurzeit die höchste Hubrettungsbühne in Mecklenburg-Vorpommern und der ganze Stolz der Werkfeuerwehr von MV WERFTEN: die neue Rosenbauer B60. Vollautomatisch gesteuert, erreicht sie eine Arbeitshöhe von 60 m und ist in weniger als drei Minuten einsatzbereit (Rüstzeit). Der Rettungskorb bietet fünf Personen Platz und hat eine Nutzlast von 500 kg. Mit einem fernsteuerbaren Wasserwerfer auf der Korbreling und einer im Geräteraum 1 und 2 verbauten Pumpenanlage (bis zu 5.500 l/min bei 10 bar) ist die B60 für den sofortigen Brandeinsatz bereit. Löschwasser, aber auch Strom und Atemluft werden über spezielle Hochführungen in den Korb befördert. Die Wasserversorgung erfolgt sowohl über Hydranten als auch direkt aus dem Meer, weshalb die gesamte Löschtechnik seewassertauglich ist.

Seit Juni ist die Highend-Bühne bei KÖTTER Security im Einsatz. Das größte Familienunternehmen der Sicherheitsbranche in Deutschland stellt neben anderen Sicherheits- und Brandschutzdienstleistungen auch die Werkfeuerwehr bei MV WERFTEN.  Rosenbauer hatte Gelegenheit, mit Marcel Bröder (Vertriebsleiter der verantwortlichen KÖTTER Fire & Service GmbH & Co. KG) über die Gründe für die Anschaffung der B60 und die besonderen Einsatzbedingungen bei MV WERFTEN zu sprechen.

Herr Bröder, warum benötigt MV WERFTEN eine so große Feuerwehrbühne?

Marcel Bröder: Unser Kunde baut in Mecklenburg-Vorpommern hochmoderne Kreuzfahrtschiffe. Die B60 dient in dem gemeinsam entwickelten Brandschutz- und Gefahrenabwehrkonzept vornehmlich der Eindämmung von Bränden in der Höhe. Sie erlaubt zum einen die optionale und schnelle Bereitstellung einer zusätzlichen Wasserversorgung für die schiffseigenen, stationären Löscheinrichtungen, die in der Bauphase möglichst frühzeitig in Betrieb genommen werden. Und sie fungiert andererseits als zweiter Angriffsweg für den Löschtrupp bzw. erlaubt die rasche Rettung von Verletzten aus höher gelegenen Einsatzstellen.

Welches Schiff wird gerade gebaut und welche Rolle spielt die B60 dabei?

Marcel Bröder: MV WERFTEN baut zurzeit die „Global I“, ein Kreuzfahrtschiff der Superlative: 342 m lang, 46 m breit und 20 Decks hoch (Anm.: Das entspricht in etwa einem 22-stöckigen Hochhaus.). Die schwimmende Kleinstadt wird bei entsprechender Kabinenbelegung bis zu 9.500 Passagiere beherbergen und das erste Schiff in der Geschichte der Seefahrt sein, das mehr als 10.000 Menschen befördern kann.

Der Ozeanriese wird an den Standorten Rostock-Warnemünde (Großsegmentebau) und Wismar (Endfertigung und Innenausbau) gefertigt. Dabei steigen die Brandlasten vor allem mit dem Kabinenausbau und jedem Meter, den das Schiff in die Höhe wächst. Die B60 wird daher hauptsächlich die „Global I“ je nach Baufortschritt von einem zum anderen Standort begleiten und die Ausbreitung einer Gefahrenlage in der Höhe bis zur Wirkung der primären abwehrenden Maßnahmen kontrollieren.

Gibt es neben dieser noch andere Aufgaben für die B60?

Marcel Bröder: Selbstverständlich schützt sie am Standort Wismar zugleich das hier vertäute Hotelschiff, in dem bis zu 1.500 Werftarbeiter wohnen können, sowie zahlreiche Schwerlastkräne und die nicht zu übersehende Schiffsbauhalle mit ihren gigantischen Dimensionen von 395 x 155 x 72 Metern. Auch ein Höheneinsatz am Werftgelände in Stralsund (Anm.: 3. Standort von MV WERFTEN) kann durch die B60 unterstützt werden, vorausgesetzt, sie ist aus versicherungs- oder brandschutztechnischen Gründen nicht anderweitig gebunden. Ein Einsatz außerhalb des Werftgeländes ist hingegen nur dann denkbar, wenn keine dringende Notwendigkeit zur akuten Vorhaltung besteht. In diesem Fall würde die Anforderung der B60 von der externen Feuerwehrleitstelle an die werftinterne, permanent besetzte Leitstelle herangetragen und über diese alarmiert werden.

Wie ist die Werkfeuerwehr bei MV WERFTEN aufgestellt?

Marcel Bröder: An allen drei Standorten ist ständig eine Löschgruppe und ein Leitstellendisponent im Dienst, die B60 ist ab Januar 2020 ebenfalls permanent besetzt. Zudem betreiben wir überall eigenständige Höhenrettungseinheiten und halten eine hohe Anzahl an Betriebssanitätern vor.

Neben der B60 gibt es an jedem Standort ein HLF, einen GW-L, einen ELW und einen Transporter für Material und Mannschaften. In Wismar und Stralsund sind darüber hinaus mobile Großlüfter stationiert. Außerdem verfügen wir über ein mobiles Einspeisesystem für die B60, falls sie nicht direkt an einen Hydranten angeschlossen werden kann.

Danke für das Gespräch.

Rosenbauer B60 (KÖTTER Fire & Service)

- Fahrgestell: Mercedes Benz Arocs 3243 L 8x4*4, Euro 6
- Hubrettungssatz: 5-teiliger Hauptarm + 2-teiliger Korbarm
- Abstützung: Waagrecht-Senkrecht bis zu 9,0 m
- Arbeitshöhe: 60 m
- Rettungskorb mit 500 kg Nutzlast (5 Personen)
- Einbaupumpe N55 mit 5.000 l/min bei 10 bar (Rotguss)
- Teleskop-Wasserhochführung (TWS) mit bis zu 5.000 l/min
- Korbwerfer mit bis zu 5.000 l/min (ferngesteuert)
- zusätzlicher C-Abgang im Korb
- Stromhochführung 230/400 V
- Atemlufthochführung (2 Anschlüsse im Korb, 4 Flaschen am Drehgestell)
- Funkfernbedienung für Hubrettungsarm, Korb und Werfer

MV WERFTEN „Global I“ (Dream Cruises)

- weltweit erstes Kreuzfahrtschiff der „Global Class“
- L x B x H: 342 x 46 m x 60 m (22 Decks)
- Volumen: 204.000 BRT
- 2.500 Kabinen (für bis zu 9.500 Passagiere)
- 28 Fahrstühle
- Baustart: 2018
- Bauende: 2020
- Indienststellung: 2021