Episode 2

Der PANTHER der unbegrenzten Möglichkeiten …

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Episode 2

Der PANTHER der unbegrenzten Möglichkeiten …

Das hatte selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch keiner gesehen … Die Luft in Louisville im amerikanischen Bundesstaat Kentucky flimmert vor Hitze im August 1998. Es ist ein typisch heißer Sommertag im Mittelwesten, als ein überdimensional großes Fahrzeug, das aussieht, als wäre es einem Science-Fiction Film entsprungen, durch die Innenstadt rollt. „Wow, what the hell is this“, stößt ein Polizist erstaunt hervor, als das Gefährt im Kreisverkehr des Hotels am Ende der Straße parkt und den HRET auf Angriff positioniert. Es ist der PANTHER FL von Rosenbauer. Der Airport Fire Fighter, den Rosenbauer gemeinsam mit Freightliner in und auch für Amerika entwickelt hat.

Alles beginnt zwei Jahre vorher im Herbst 1996 mit einer Anfrage der U.S. Air Force bei DaimlerChrysler wegen eines potenziellen Auftrags über rund 700 Flughafenlöschfahrzeuge. Dabei soll die neueste Fahrzeugtechnologie für solche Anwendungen zum Einsatz kommen. DaimlerChrysler gibt den Gesuch an seine US-Trucktochter Freightliner weiter. Hier besteht bereits eine Zusammenarbeit mit Rosenbauer für ein Custom Chassis. Die Chancen für beide Seiten werden schnell erkannt.

Nach einer kurzen Zeit der Annäherung und Planung gibt es im Januar 1997 bei Rosenbauer Minnesota (damals noch General Safety) ein erstes Meeting zwischen der U.S. Air Force, Freightliner und dem österreichischen Innovator. Dem warmen Welcome des Gastgebers steht nur das frostige Wetter gegenüber. Bei einer Außentemperatur von minus 35 Grad Celsius stockt vor allem den, aus dem warmen Florida angereisten, Air Force Spezialisten der Atem. Doch so unwirtlich das Klima, so ergiebig ist das Treffen. Aufgrund der, von der U.S. Air Force geforderten, hohen Stückzahl fällt zwischen den Vorständen von Freightliner und Rosenbauer eine schnelle und wichtige Entscheidung: Die air-transportable Neu-Entwicklung der Baureihe PANTHER 4×4, 6×6 und 4×4 C-130. Einer der maßgeblichen Väter des PANTHER, Herbert Poellinger, trifft sich kurze Zeit später mit der US-Tochter von Mercedes im Freighliner Headquarter in Portland, Oregon und das Projekt PANTHER FL beginnt.

Die Zusammenarbeit mit Freightliner gestaltet sich von Anfang an sehr erfolgreich, wenn auch ein wenig ungleich. Im FL-Team sind mehr als 20 Ingenieure mit Entwurf und Umsetzung der Chassisentwicklung beschäftigt. Bei Rosenbauer sind es gerade einmal eine Handvoll Spezialisten um Helmut Peherstorfer, Erwin Affenzeller und Rudi Aichinger, die sich um Aufbau, Elektrik und Löschtechnik kümmern. Eine effiziente Tatsache, die den amerikanischen Partner anfangs in ungläubiges Staunen versetzt. Auf dem Chassis von Freightliner baut Rosenbauer den ersten PANTHER FL Prototypen für die USA im Werk Wyoming.

Dies wird nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte des PANTHER, sondern auch des Unternehmens selbst. Denn 2003 übernimmt Rosenbauer die komplette Chassis-Fertigung von Freightliner und produziert seitdem selber vor Ort in Minnesota. Sechs Jahre vorher ist daran aber noch nicht zu denken. Im März 1997 geht es nach dem ersten Besuch in Portland mit der Chassisentwicklung zügig voran. Das fertige Fahrgestell wird im Frühjahr von Portland nach Minnesota überstellt und bereits im August 1998 steht der erste Fahrzeugprototyp auf der Messe in Louisville, Kentucky – der PANTHER FL ist geboren.

Der PANTHER erobert die Staaten.

Louisville, Kentucky: Noch während der Tests des Prototypen in Nevada wird China auf den neuen PANTHER aufmerksam und ordert 40 Stück. Derweil stellt ihn Rosenbauer der Fachwelt erstmals auf der Messe der IAFC in Kentucky vor. Danach ist der Siegeszug des PANTHER in Amerika nicht mehr aufzuhalten. Der erste PANTHER FL geht nach Tucson, Arizona. Danach wird er nach Portland und bis Barbados ausgeliefert.

Nach seiner US-Premiere auf der Messe soll das Fahrzeug noch in einer gesonderten Veranstaltung den Fire Chiefs der U.S. Air Force vor einem Hotel in der Innenstadt Louisvilles vorgeführt werden. Also fährt der PANTHER FL zur Verblüffung aller umstehenden Passanten kurzerhand auf der Straße Richtung Hotel, wo er von einer nicht minder erstaunten Menge in Empfang genommen wird. Der Polizist war übrigens so begeistert von dem Gefährt, dass er ganz vergaß, dem, an sich damals nicht wirklich für die Straße zugelassenen, PANTHER FL einen Strafzettel zu geben. Stattdessen setzte er sich ins Cockpit und verewigte den Moment mit einem Foto.