Flottentausch in Leipzig

Rosenbauer stattet Berufs- und Freiwillige Feuerwehr mit 22 neuen Fahrzeugen aus.

Die Branddirektion Leipzig tauscht in den kommenden Monaten ihre komplette HLF-Flotte (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge), nachdem der aktuelle Bestand ein Durchschnittsalter von knapp 20 Jahren erreicht hat. Bei den neuen Fahrzeugen handelt es sich um 22 HLF 20 „Leichte Klasse“, alle baugleich und ausgestattet mit dem Highend-Löschsystem N35 + DIGIMATIC42. In Dienst gestellt werden sie zu gleichen Teilen bei Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, die gemeinsam mit der Abteilung Technik und Spezialbeschaffung der Leipziger Branddirektion auch das Lastenheft erstellt haben. Brandrat Andreas Rößler: „Mit dieser Beschaffung soll vor allem das Ziel erreicht werden, eine einheitliche Ersteinheit für BF und FF zu schaffen. Außerdem sind 22 identische Fahrzeuge nicht nur im Einsatz, sondern auch bei Wartung und Instandhaltung von Vorteil. Deshalb wurden die Anforderungen an das HLF und seine Beladung durch eine Arbeitsgruppe mit den verschiedenen Nutzergruppen detailliert bestimmt, wobei es teilweise sehr unterschiedliche Bedürfnisse zu harmonisieren galt.“

HLF mit schmaler Breite

Eine Besonderheit des Fahrzeuges ist seine geringe Breite von 2,42 m, basierend auf dem C-Fahrerhaus von MAN. Andreas Rößler: „Unser Wahl fiel bewusst auf ein schmales Fahrgestell, um besser durch den Verkehr zu kommen. Leipzig ist eine stark wachsende Stadt, in der sich das Verkehrsaufkommen immer stärker verdichtet, was die Infrastruktur zusehends an ihre Grenzen bringt. Zudem mussten wir bei einer derart umfangreichen Beschaffung die unterschiedlichen baulichen Gegebenheiten im Alarmbereich sowie in unseren Feuerwachen und Gerätehäusern mit berücksichtigen. Aus diesem Grund ist zum Beispiel die Fahrzeughöhe mit 3,15 m limitiert.“

Eine der Herausforderungen bei der Fahrzeugkonfiguration bestand darin, die umfangreiche Normbeladung des HLF 20 in dem Aufbau mit reduzierter Breite unterzubringen. Dabei leistete das Halterungssystem COMFORT mit seinen platzsparenden Auszügen (z.B. für hydraulisches Rettungsgerät), Drehaufsätzen (für Stromerzeuger) und Schlauchmagazinen hervorragende Dienste. Sperrige Ausrüstung (in eigener Box) und Schiebeleitern werden am Dach transportiert, zwei Einmannhaspeln können am Heck aufgeprotzt werden. Ein Lichtmast hatte ebenfalls noch Platz im Aufbau, außerdem transportiert das Leipziger HLF um 400 l mehr Wasser und 60 l mehr Schaummittel als die Normanforderung (1600/120 l).

Highend-Löschtechnik

Die verbaute Löschtechnik übertrifft ebenfalls die Normanforderungen. Die Pumpe N35 leistet bis zu 3.000 l/min bei 10 bar, das Druckzumischsystem DIGIMATIC42 hat eine Spreizung von 0,1 bis 42 l/min und eignet sich sowohl zur Erzeugung von Netzwasser als auch von Löschschaum. Die zentrale Wasserachse verteilt alles Wasser im Fahrzeug automatisch dorthin, wo es gerade benötigt wird (Tank, Pumpe oder zu beiden gleichzeitig). Der Maschinist kann sich voll und ganz auf die Schaumzumischung bzw. die Druckseite konzentrieren, die im Wesentlichen aus vier ND-Abgängen und einem weiteren zur Schnellangriffshaspel besteht. Das Wasser-Schaummittelgemisch aus der DIGIMATIC42 wird dabei direkt am Abgang eingespritzt, wodurch die Wasserpumpe schaummittelfrei bleibt.

Kabine mit Actiontower

Aufgebaut ist das Fahrzeug auf ein 15-t-Fahrgestell (MAN TGM 15.290 LL 4x2), ein 290 PS (215 kW) starker Motor in Verbindung mit einer TipMatic bringt ordentlich Durchzug auf den Einsatzfahrten. Der in den Aufbau integrierte Mannschaftsraum ist mit sechs Sitzplätzen (Fahrzeugbesatzung: 2+2+4) sowie vier PA-Haltern ausgestattet. Ein zwischen den vorderen Sitzen verbauter „Actiontower“ bietet Stauraum für Rettungsdienstrucksack, Atemschutzmasken, Akkuladegerät für hydraulische Rettungs- und Elektrogeräte (Säbelsäge, Akku-Schrauber), Wärmebildkamera, Gasmessgerät und Handsprechfunkgeräte. Vollverglaste Türen erlauben der Mannschaft einen optimalen Blick nach außen.

Prototypen im Test

Zwei Prototypen hatte die Branddirektion Leipzig zwischen November 2018 und März 2019 zu Testzwecken im Einsatz. Sie wurden auf verschiedenen Wachen (u.a. Hautfeuerwache, Westwache, Engelsdorf, Grünau ...) von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr stationiert, damit die Mannschaften ein Gefühl für das Fahren und das Bedienen der Pumpe sowie für den schnellen Zugriff auf die Geräte bzw. generell für die technischen Abläufe entwickeln konnten. Schließlich waren sie bislang noch nicht mit Rosenbauer Fahrzeugen unterwegs, die 22 HLF 20 sind die allerersten, die in Leipzig in Dienst gestellt werden.

Das Feedback auf den Probebetrieb fiel laut Brandrat Rößler sehr erfreulich aus: „Als eines der Highlights, im wahrsten Sinne des Wortes, hat sich die helle Umfeldbeleuchtung gezeigt. Sehr gut angekommen ist auch die Rosenbauer Drehtreppe, die unsere Anforderungen an einen schnellen Ein- und Ausstieg in den Mannschaftsraum voll erfüllt und für unsere Einsatzkräfte ein Plus an Sicherheit bedeutet. Wir freuen uns jedenfalls darauf, nach den überwiegend positiven Erfahrungen aus den Prototypentests und den anschließenden Optimierungen im Juni die ersten elf Fahrzeuge in den Regeleinsatzdienst übernehmen zu können.“

Die Feuerwehr Leipzig

Die Feuerwehr Leipzig ist eine der zehn größten Einsatzorganisationen Deutschlands. Zu den 700 hauptamtlichen Beschäftigten in sechs Feuerwachen der Berufsfeuerwehr kommen über tausend Freiwillige in 22 Ortsfeuerwehren, außerdem sind 360 Kinder und Jugendliche in der Jugendfeuerwehr engagiert. Zuständig ist die Leipziger Branddirektion nicht nur für den Brandschutz und besondere Rettungseinsätze (Höhen-, Tiefen-, Wasserrettung), sie ist auch Trägerin des allgemeinen Rettungsdienstes in der Stadt und führt unter anderem die Krankentransporte durch. Darüber hinaus fungiert sie als Standort der Analytischen Task Force des Bundes.

Im Vorjahr wurde die Feuerwehr Leipzig zu über 10.000 Einsätzen alarmiert, fast die Hälfte davon (4.634) – und damit im Vergleich zu anderen Städten ungewöhnlich viele – entfielen auf Brandeinsätze. Nicht zuletzt deshalb hat sich die Branddirektion bei der jüngsten Beschaffung für besonders leistungsstarke und robuste Löschfahrzeuge entschieden, die schnell und zuverlässig zu bedienen sind und mit denen sie gut durch den Verkehr kommt.