Im Einsatz, wo andere Urlaub machen


Mit dem neuem TLF 4.000 erhöht die Feuerwehr Zinnowitz auf Usedom ihre Schlagkraft bei Löscheinsätzen deutlich.

In den Einsatz gehen, während andere Urlaub machen. Für die 37 Kameradinnen und Kameraden der aktiven Löschgruppe der Feuerwehr Zinnowitz ist das gelebter Alltag. Das gleichnamige Ostseebad auf der Insel Usedom mit seinen rund 4.100 Einwohnern wird in den Sommermonaten von bis zu drei Mal so vielen Touristen bevölkert. Dass es sich hier famos urlauben lässt, hat viele anziehende Gründe: Zinnowitz ist einer der sonnenreichsten Orte Deutschlands und eines der schönsten Seebäder mit reizvollem Ortskern im Stil der Bäderarchitektur. Ein kilometerweiter, feiner Sandstrand lädt gleichermaßen zum Entspannen im Strandkorb wie zu zahlreichen sportlichen Aktivitäten ein. Dazu kommt mit dem Achterwasser eine zweite Küstenlinie, die Segler und Wassersportler auf ihre Kosten kommen lässt. Und dazwischen Felder und Wiesen, Kiefern- und Buchenwälder – eine wahre Idylle der Ruhe und Erholung.

Was Urlauber und Fremdenverkehrsbetriebe erfreut, wird für die freiwillige Feuerwehr Zinnowitz mitunter zur Herausforderung. Sie sieht sich in den Sommermonaten zum einen mit erhöhter Waldbrandgefahr, zum anderen mit zunehmendem Wassermangel konfrontiert. Deshalb hat sie viel Löschwasser in den Tanks ihrer Fahrzeuge, wenn es in den Wald- und Flurbrandeinsatz geht, wie Wehrführer Kai Goyer schildert:

Herr Goyer, welches taktische Konzept steht hinter der Anschaffung des neuen TLF 4.000?

Kai Goyer: Wir erhöhen die Schlagkraft bei Löscheinsätzen deutlich. Im neuen TLF bringen wir 4.000 l Wasser und eine komplette Staffel mit Atemschutzausrüstung an den Einsatzort. Damit können wir auch unser Einsatzkonzept ändern: Das Tanklöschfahrzeug wird nun im Brandfall immer zuerst und selbstständig eingesetzt und hat für die Löschwasserversorgung oder eine lange Wegstrecke neben der Einbaupumpe (N35 FPN 10-3000, Anm.) auch eine Tragkraftspritze FOX S (PFPN 10-1000, Anm.) an Bord.

Unser HLF 20/16 nutzten wir künftig als Ersteinsatzfahrzeug für die technische Hilfeleistung und wird bei Brandeinsätzen mit seinen 2.000 l Wasser an Bord bei Bedarf nachalarmiert. Damit bringen wir allein mit diesen beiden Fahrzeugen 6.000 l und damit die dreifache Menge Wasser als bisher an die Einsatzstelle. Außerdem sparen wir uns durch die Staffelbesetzung des TLF in vielen Fällen den Einsatz unseres MTW als Nachschub- und Versorgungsfahrzeug.

Wie viele und welcher Art Einsätze absolvieren Sie im Jahr?

Kai Goyer: Letztes Jahr waren es für die 37 Aktiven insgesamt 68 Einsätze, davon 39 Hilfeleistungs-, 28 Brandeinsätze und eine Einsatzübung. Die technischen Hilfeleistungen reichten von der Türnotöffnung über die Personen- und Tierrettung bis zum Verkehrsunfall, die Brandeinsätzen umfassten Klein-, Groß und nicht zuletzt Wald- und Flurbrände.

Warum haben Sie sich beim neuen TLF 4.000 für ein Allradfahrzeug entschieden?

Kai Goyer: Das Allradfahrgestell wählte die Arbeitsgruppe aus, um auch abseits der Straße agieren zu können, soweit es das Gesamtgewicht des TLF zulässt. Der Norden der Insel Usedom hat ausgedehnte Waldflächen und in den Sommermonaten steigt die Waldbrandgefahr oft bis auf die höchste Stufe. Zudem ist Zinnowitz von landwirtschaftlichen Nutzflächen umgeben. Um das TLF bei all diesen Herausforderungen effizient einsetzen zu können, ist das Fahrzeug mit Selbstschutzdüsen und Pump&Roll-Betrieb ausgestattet.

Wie setzten Sie das im Fahrzeug verbaute Schaum-Druckzumischsystem DIGIMATIC42 und den Dachwerfer RM25C ein?

Kai Goyer: Mit der DIGIMATIC42 gehen wir relativ neue Wege und wollen bei der Brandbekämpfung vor allem schneller und sicherer werden. Sie erlaubt uns, sofort nach Eintreffen am Brandort eine dauerhafte Wasserabgabe mit einem Schaummittelzusatz sicherzustellen. Wir können damit einerseits Netzwasser erzeugen, um eine bessere Durchdringung und Kühlung des Brandguts mit weniger Löschwasser zu erreichen, andererseits auf Knopfdruck die Dosierung des Schaummittels erhöhen, wenn zusätzlich die erstickende Wirkung von Löschschaum benötigt wird. Mit 500 l haben wir dafür ausreichend Schaummittel an Bord.

Die Brandbekämpfung über fernbedienbare Werfer ist bei uns hingegen schon seit Jahren gelebte Praxis, neben dem TLF befindet sich zum Beispiel ein weiterer Werfer am Korb unserer Drehleiter. Wir setzen sie üblicherweise ein, wenn große Wassermengen und hohe Wurfweiten erforderlich sind, beispielsweise um Brände zum Schutz unserer Einsatzkräfte aus sicherer Entfernung zu löschen.

Aus welchen Fahrzeugen besteht Ihr Fuhrpark?

Kai Goyer: Unser Fuhrpark besteht aus dem neuen TLF 4.000, einem HLF 20/16 und einer Drehleiter L32A-XS, alle von Rosenbauer, sowie einem Mannschaftstransporter mit Anhänger. Ein Löschgruppenfahrzeug mit FOX 3 und Schlauchtransportanhänger (Robur LF 8 - TS - STA, Anm.), welches wir schon seit 1982 betreiben, wird mit der Anschaffung des neuen TLF außer Dienst gestellt.

Drei Fahrzeuge von Rosenbauer, das klingt nach zufriedenem Kunden?

Kai Goyer: Kann man so sagen. Unsere Arbeitsgruppe arbeitete schon bei der Beschaffung des HLF 20/16, Baujahr: 2005 und der DLK 23/12, Baujahr: 2014 gut mit den Teams von Rosenbauer zusammen und wir hatten dabei immer eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Danke für das Gespräch.

Porträt der FF Zinnowitz

Mitglieder:

  • 37 in der aktiven Löschgruppe
  • 25 in der Kinderabteilung und der Jugendfeuerwehr
  • 12 Ehrenmitglieder

Einsätze im Jahr 2019:

  • 39 technische Hilfeleistung
  • 28 Brandeinsätze
  • 1 Einsatzübung

Fuhrpark:

  • TLF 4.000
  • HLF 20/16
  • DLK 23/12
  • MTW mit Anhänger