Jedes Jahr in den Sommermonaten schaffen es Waldbrände quer durch Europa in die Berichterstattung diverser Medien. Von Deutschland bis Italien, von Spanien bis Griechenland, der Klimawandel lässt die Vegetationsbrände nicht nur häufiger und größer, sondern auch den Zeitraum der Gefährdung vom Frühjahr bis in den Herbst hinein immer größer werden. Neben all den neuen modernen Möglichkeiten zur Detektion, Früherkennung und Lageerkundung mittels satellitenunterstützter Systeme und Drohnen, sind immer noch robuste und wendige Fahrzeuge ein unverzichtbares Mittel zur Waldbrandbekämpfung.

Was macht diese speziellen Waldbrandfahrzeuge so besonders und was müssen sie können?

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Allerwichtigste der umfassende Schutz der Besatzung ist. Hinzu kommen Geländegängigkeit, Robustheit, Wendigkeit und natürlich die Fähigkeit Feuer zu bekämpfen. Sehen wir uns diese Eigenschaften am Beispiel des im Februar 2021 präsentierten Waldbrandtanklöschfahrzeuges FFFT3500/100 im Detail an.

Bei den Schutzeinrichtungen für die Fahrzeugbesatzung muss man zwischen passiven und aktiven Systemen unterscheiden. Zu den passiven Einrichtungen bei diesem Fahrzeug zählen neben einem im Fahrerhaus integriertem ROPS (Roll Over Protection System) – also einem Überrollkäfig, auch gesonderte Hitzeschutzisolierungen für Druckluft- und Elektrikleitungen, die eine Funktion des Fahrzeuges auch bei Hitzeeinwirkung sicherstellen. Zusätzlich dazu können noch spezielle Hitzeschutzdecken im Fahrerhaus an den Fenstern installiert werden, die bei Bedarf ausgerollt werden und die Mannschaft vor der Hitzestrahlung des Feuers schützen, wenn das Feuer zu nahe an das Fahrzeug herankommt.

Bei Waldbränden ist es aufgrund der Thermik und der dadurch entstehenden Winden nicht unwahrscheinlich, dass das Feuer schnell die Richtung ändert und nahe an die Fahrzeuge herankommt bzw. die Löschtrupps sogar einschließt. Umso wichtiger sind für diese Situationen aktive Schutzeinrichtungen, die die Crew bei der Flucht vor bzw. aus dem Feuer helfen. Hier ist das Selbstschutzsystem definitiv die wichtigste Einrichtung. Das System umfasst Sprühdüsen für die Reifen bzw. den Unterboden und für die Fahrerkabine. Diese Düsen werden über ein 500 l fassendes, abgesichertes Segment des Wassertanks gespeist, sodass auch nach Ausbringen des Löschwassers im äußersten Notfall immer noch ausreichend Reserve für eine gesicherte Flucht zur Verfügung steht. Das Wasser wird entweder über die Feuerlöschkreiselpumpe oder über eine eigene elektrisch angetriebene Pumpe gefördert, somit hat man auch hier eine Redundanz, wenn ein System ausfallen sollte.

Eine weitere optional erhältliche aktive Sicherheitseinrichtung für die Besatzung von Waldbrandfahrzeugen ist ein Atemluftversorgungssystem. Sollte das Feuer bereits so nahe am Fahrzeug sein, dass der Rauch bereits in das Fahrerhaus eindringt, hat man mit diesem System die Möglichkeit mittels einer Atemschutzmaske, die wie im Flugzeug oberhalb der Sitze gehaltert ist, eine Versorgung mit frischer Atemluft für die Mannschaft sicherzustellen. Dabei dienen meist zentral im Fahrerhaus verbaute Atemluftflaschen als Quelle.

Eine weitere aktive Sicherheitseinrichtung stellt das des Rosenbauer Fahrer-Warnsystems DWD dar, welches die Fahrsicherheit im Gelände erhöht und vor dem Umkippen des Fahrzeuges warnt. Hierbei messen Sensoren permanent die Fahrzeugneigung sowie die axialen Quer- und Längskräfte. Nähert man sich dem kritischen Bereich, wird der Fahrer durch optische und akustische Signale gewarnt.

Gegenüber all dieser Sicherheitsausstattung wirkt der feuerwehrtechnische Aufbau fast schon wieder herkömmlich. Neben der kombinierten Normal-/Hochdruckpumpe NH25 mit einer Leistung von 2.000 l/min bei 10 bar (FPN 10-2000) sowie 400 l/min bei 40 bar (FPH 40-250) kommt das Schaum-Druckzumischsystem RCF Admix Variomatic zum Einsatz, mit dem sich vor allem auch Netzmittel mit einer Zumischrate von 0,1 % produzieren lässt. Die Einspritzung des Schaummittels erfolgt direkt in den Druckabgängen, wodurch die Wasserpumpe schaummittelfrei bleibt und nicht nach jedem Einsatz gespült werden muss. Außerdem können gleichzeitig an einem Abgang Wasser und an einem anderen Löschschaum und mehrere Einspritzpunkte mit unterschiedlichen Zumischraten betrieben werden. Dieses konkrete Fahrzeug ist mit einem Wasserwerfer RM15C (1.500 l/min bei 10 bar) an der Stoßstange, der ein sicheres Ausbringen des Löschmittels im Pump and Roll Betrieb aus dem Fahrerhaus mittels Joystick ermöglicht, und einer Schnellangriffseinrichtung im Pumpenraum mit Hochdruckstrahlrohr ausgestattet. Versorgt wird die Pumpe und das Schaumdruckzumischsystem über einen 3.100 l fassenden Wassertank und einen 100 l Schaummitteltank.

Wie die Waldbrandtanklöschfahrzeuge im Detail aussehen, ist in vielen Ländern über Normen und Standards definiert, wobei sich diese zwischen den Ländern doch sehr stark unterscheiden. Entscheidend ist jedoch bei all dem immer die Tatsache, ob ein Tanklöschfahrzeug für den Hauptanwendungszweck Waldbrand beschafft wird oder doch eher als klassisches TLF, das auch bei einem Waldbrand zum Einsatz kommt. Dies wiederum hängt vom Endkunden bzw. der Organisation (Militär, Freiwilligen Struktur, usw.) hinter der Waldbrandbekämpfung in den jeweiligen Ländern ab. Die Normen beschreiben dabei fast ausschließlich kleine, wendige und robuste 4×4-Waldbrandtanklöschfahrzeuge, die an vorderster Front die Feuer bekämpfen sollen. Diese werden im Einsatzfall, wie am Kalenderbild zu sehen, entsprechend von größeren Fahrzeugen unterstützt, die eine Versorgung mit Löschmittel sicherstellen oder bei Bedarf und ausreichender Zugänglichkeit auch selbst in das Löschgeschehen eingreifen können.

Technische Details

Technische Daten zum Waldbrandtanklöschfahrzeug