Die Stückzahlen in der Kommunalfahrzeugproduktion von Rosenbauer waren Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre im Vergleich zu heute sehr gering. Grund dafür war, dass die Produktion auf der weit verbreiteten Gerippeaufbautechnik beruhte, welche auch von vielen kleineren Fahrzeugbauern oder gar Schlossereien beherrscht wurde. Zudem gab es kaum Normen, die die qualitativen Anforderungen regelten. Dieser Umstand brachte einige findige Kollegen dazu, über neue, alternative Wege des Fahrzeugbaus nachzudenken. So berieten Franz Hochdanninger aus dem Vertrieb und Alfred Glatzmeier aus der Entwicklung über eine echte Innovation in puncto Fahrzeugarchitektur. Da Alfred Glatzmeier aus der Flugzeugwelt und somit auch aus der Welt der sogenannten Spanten (das sind die unsichtbaren Querverbindungen innerhalb des Rumpfes) kam, entstanden im August 1992 erste Skizzen auf einer Serviette – im Zuge hitziger Diskussionen in einem Linzer Gastgarten.

Der Aufbau aus selbsttragenden Spanten und Längswänden sollte einen möglichst torsionssteifen Körper ergeben. Dies hat den Vorteil, deutlich kompakter sowie leichter und integraler bauen zu können.

Mit viel Engagement gelang es den Kollegen schließlich, das neue Konzept tatsächlich umzusetzen. Die funktionsrelevanten Aspekte und Ideen von damalsbildeten den Grundstein der heutigen Fahrzeugbautechnologie und der bis heute andauernden Erfolgsgeschichte des AT bei Rosenbauer.

 

Eine bahnbrechende Sensation auf der Interschutz 1994

1. Rosenbauer AT für die Freiwillige Feuerwehr Bad Mühllacken

Der 1. AT ging an die Freiwillige Feuerwehr Bad Mühllacken.

Die Vorstellung des AT1 12s26 am „Roten Hahn“ (also auf der Interschutz) 1994 war für Rosenbauer folgenreich. Vieles an diesem Fahrzeug war anders. Die Außenerscheinung glich in der Welt der Feuerwehraufbauten der eines Sportwagens. Dynamisch durch die formfließende Außengestaltung, ansehnlich durch das Design, aerodynamisch durch den anschmiegenden Dachüberbau, integral durch das Verschmelzen von Chassis und Aufbau, kompakt durch die Kernzone und die Ausnutzung sämtlicher Freiräume, hochfunktionell durch die ergonomischen Mannschaftsraumeinstiege sowie durch die Pumpenbedienung und das Mannschaftsraumkonzept. Ein Quantensprung zu den eckigen Fahrzeugaufbauten am restlichen Ausstellungsgelände der Interschutz 1994.

Ab August 1994 dokumentierten wir die Teile des größtenteils handgefertigten AT1 nach und begannen sofort mit der Ableitung und Konstruktion der Basiskonzeptidee für den 16s, der auch das erste verkaufte Fahrzeug wurde.

 

Neue Entwicklungsmethoden, Prozesse und Fertigungstechniken

Spantenaufbau bei der 1. Generation des Rosenbauer AT

Spantenaufbau bei der 1. Generation des Rosenbauer AT

Mit dem AT begann auch die Veränderung der Entwicklungsmethodik, die Einführung von Simulationen, die Anwendung von 3D-CAD und neuer Fertigungsmethoden. Auch die Arbeitstechnik und Vorfertigung wurde neu gedacht, Laserschneidmaschinen und hydraulische Abkantpressen hielten Einzug. Arbeitsprozesse wurden auf Linienmontage getrimmt, Vormontage und Logistik neu gedacht und es bedurfte auch neuer Wege im Bereich der Produktdefinition durch Code-Listen, der Auftragsabwicklung, der Werksauftragsgestaltung und Fahrzeugübergaben. Für Rosenbauer hatte das Zeitalter der industriellen Fertigung begonnen.

1997 begann die aus dem AT entstandene Basisentwicklung der Blechbauweise sich auf das MBW-Konzept (heute CBS) und den PANTHER auszuweiten.

 

Die Entwicklung der nächsten Generation

Rosenbauer AT - Fahrzeugvarianten 1999

Bereits 1999 gab es viele Fahrzeugvarianten des Rosenbauer AT.

Seit 1998 drängten mich die neu gewonnenen Erkenntnisse mit dem AT in eine Weiterentwicklung. Ende 1999 gab es dazu grünes Licht. Ziel war die deutliche Verbesserung der Spantenbauweise in genauerer und flexiblerer Einblechsystemfertigung, um eine noch höhere funktionelle Integration zu erzielen.

Der funktionelle Aspekt der Bedienung (der Maschinist musste beim Bedienen der Pumpe wegen der Ablauflogik ein sehr gutes technisches Verständnis mitbringen, es gab aber auch viele Nichttechniker in den Reihen der Feuerwehr) bewog uns dazu, über neue Lösungswege nachzudenken. Die Bedienung musste anders und einfacher werden. Zum ersten Mal fiel das Wort ‚CAN-Bus‘. Der konnte zwar nicht sofort Einzug halten, doch beim Prototyp des AT konnte die Basisfunktionalität der neue Bedienphilosophie bereits umgesetzt werden. Mit viel Akribie untersuchten wir die Funktionsabläufe und logischen Zusammenhänge, um Schritte der Bedienung in hektischen Einsatzsituationen abkürzen zu können. Die Logik des Rosenbauer Logic Control System (RLCS) war damit geboren.

 

Viele neue Ausstattungsmerkmale: Drehtreppe, ebenes Dach, LED

Rosenbauer AT - Lichtmessung

Lichtmessung beim Rosenbauer AT

Der Einstieg in die hohen Kabinen war in engen Straßen kaum möglich. Es bedurfte also eines Einstiegssystems, das in jeder Türposition einen sicheren Ausstieg ermöglichte – das patentierte Drehtreppensystem mit Bremsmechanik entstand. Das Dach sollte zudem eben sein, um die Stolpergefahr so gut wie möglich zu verringern. Aus diesem Grund entstand das dachebene, verlustlose Tanküberlaufsystem.

Licht als wesentliches Element für die gute Wahrnehmung führte zu vielen Lösungen, in denen die damals junge LED-Technologie Einzug hielt. Das LED-Beleuchtungskonzept war geboren. Außerdem sollten in der Mannschaftskabine PA-Halter für möglichst alle gängigen Pressluftatmer mit ergonomischer Entnahme entstehen.

Noch viele weitere funktionale Details fanden im AT2 den Weg in die Serie. Wie bei der ersten AT Generation waren die Lösungen aufeinander abgestimmt und ergaben ein schlüssiges Gesamtsystem für die Einsatzmannschaft.

 

Unerwarteter Erfolg des Rosenbauer AT

Der Erfolg des Nachfolgers des Ur-AT war riesig. Die Verkaufszahlen stiegen drastisch und der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte stetig neue Entwicklungen.

2006 drängten uns neue Ideen und Marktresonanzen zur Weiterentwicklung des AT. Der Mitbewerb schlief nicht, der Vertrieb erwartete weitere Verbesserungen und natürlich hatte wir über bereits viele neue Ideen. 2007 bekamen wir dann grünes Licht für die Entwicklung der neuen AT Generation. Doch dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag!

Zum Schluss: Der AT wurde und wird von einem sorgsam aufgebauten Team mit breiter praktischer Erfahrung stetig weiterentwickelt und die besten Technologien werden zur Erfüllung dieses Zieles kontinuierlich integriert – seit mehr als 25 Jahren für die Bedürfnisse der Feuerwehren.

 

In unser Video-Serie erfahren Sie mehr über die Entwicklung des Rosenbauer AT

›› Gesamte Video-Playlist zu „25 Jahre AT“

›› Zum 2. Blogbeitrag zur Entwicklung des Rosenbauer AT