Beim letzten Teil zur Blogreihe „Mission Sicherheit bei Flughafenlöschfahrzeugen“ wurden die Themen Stabilität und Fahrdynamik des Fahrzeugs genauer beleuchtet. In diesem Teil liegt der Fokus auf den Maßnahmen im Bereich Kabine und Assistenzsysteme.

 

Sicherheit für den Moment in dem alles Funktionieren muss.

Ein realer Einsatz ist auch bei jeder Routine und regelmäßigem Training eine extreme Stresssituation für die Feuerwehrmannschaft. Am Flughafen muss innerhalb kürzester Zeit reagiert werden, der oder die Bediener eines Flughafenlöschfahrzeugs müssen in kürzester Zeit an jedem Ort des Flughafenareals gezielt große Löschmittelmengen ausbringen können. Es ist die Aufgabe des Fahrzeugs in diesem einen Moment des Einsatzes für maximale Sicherheit zu sorgen und dem Bediener den uneingeschränkten Fokus auf das Einsatzgeschehen zu gewähren.

 

Insassenschutz als Basis-Sicherheit und Passive Sicherheitssysteme.

Rosenbauer PANTHER: Belastungsfähigkeit der A-Säulenstruktur

Test der Belastungsfähigkeit der A-Säulenstruktur

Als der neue PANTHER auf der Interschutz 2015 der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde, wurden mit dem Fahrzeug eine Vielzahl an Innovationen präsentiert. In den Mittelpunkt der Entwicklung rückte vor allem das Thema Sicherheit. Die Basis jedes (Feuerwehr-)Fahrzeug bildet die Erfüllung von Regel- und Normenwerken. Im Bereich des Insassenschutzes wurde die Kabine bereits zum damaligen Zeitpunkt vorausschauend auf die Anforderungen der ECE R29/03 entwickelt. Die PANTHER Kabine war die erste Kabine eines typischen Flughafenlöschfahrzeugs, die diesen Anforderungen inklusive Crash-Test entsprach.

Die Crash-Test Anforderungen bestehen aus drei verschiedenen Testszenarien. Die Kabine muss einen simulierten Frontaufprall in Form eines Pendelschlags an die Kabinenfront bestehen. Die Belastungsfähigkeit der A-Säulenstruktur wird durch einen weiteren Pendelschlag an die Windschutzscheibe getestet. Abschließend wird ein Überrollen des Fahrzeugs, in Form eines Seitenaufpralls und einer statischen Dachlast von 10 Tonnen, simuliert.

Rosenbauer PANTHER: Test of Roll-over-Airbags

Test der Roll-over-Airbags

Zusätzlich zur Basis-Sicherheit können passive Sicherheitssysteme in der Kabine im Falle eines Unfalls die Kabineninsassen schützen. Die höchste Unfallwahrscheinlichkeit ist bei einem Flughafenlöschfahrzeug durch Umkippen (Roll-Over) gegeben. Für dieses Szenario wurden spezielle Roll-Over-Airbags in die Kabine integriert, die beim Umkippen des Fahrzeugs um die Längsachse die Insassen zusätzlich schützen. Durch ein ausgeklügeltes System werden Dynamikparameter und Kippwinkel des Fahrzeugs gemessen. Bei der Überschreitung eines kritischen Schwellenwertes wirkt zunächst ein Gurtstraffer, sodass die Gesamtverzögerung auf die Fahrzeuginsassen übertragen wird und sie automatisch die richtige Sitzposition einnehmen.

Anschließend lösen die Airbags an den Radhauspositionen aus und können Insassen in diesem Bereich einen zusätzlichen Schutz bieten.

 

Voller Fokus auf das Schadensszenario und umliegende Gefahren.

Ein wesentliches Sicherheitselement wird in der Außenkommunikation teilweise vernachlässigt. Die uneingeschränkte Konzentration auf den zu bewältigbaren Anfahrweg und auf das Einsatzgeschehen ist eines der wichtigsten Sicherheitsfaktoren. In diesem wichtigen Bereich wurde die PANTHER Kabine wesentlich optimiert. Der Bediener und dessen Anforderungen wurden ins Zentrum der Entwicklung gerückt.

Zunächst wurde darauf geachtet, dass die Sicht nach außen verbessert wurde. Jede Gefahr, die rasch erkannt werden kann, kann auch vermieden werden. Getreu diesem Motto wurde das Armaturenbrett sowie die A-Säulen so schmal wie möglich gestalten. Die Glasflächen wurden vergrößert, dadurch konnte vor allem das Blickfeld im linken und rechten unteren Bereich verbessert werden. Durch die schmale A-Säule konnte der Rundumblick noch zusätzlich verbessert werden.

Kabine mit kompakten Armaturenbrett und schmalen A-Säulen für perfekte Rundumsicht

Kabine mit kompakten Armaturenbrett und schmalen A-Säulen für perfekte Rundumsicht

 

Rosenbauer Kabine: Joystick/Steuergriff mit Löschmittel- und Mengenindikation

Joystick/Steuergriff mit Löschmittel- und Mengenindikation

Die Einflussgrößen auf den/die Bediener eines Flughafenlöschfahrzeugs sind umfangreich und werden zunehmend mehr. Neben der Anfahrt in kürzester Zeit, müssen das Löschsystem und der Funk bzw. die Kommunikationseinrichtung bedient werden. Darum wurde die Bedienung auf wenige wichtige Bedienelemente reduziert. Unterstützt werden diese von einem Zentraldisplay, das zusätzliche Informationen für den Löscheinsatz bereitstellt. Wichtige Bedienelemente wurden jedoch groß und prominent angeordnet. Durch zentrale Funktionsbuttons kann die Pumpe im Wasser oder im Schaumbetrieb sofort gestartet werden. Die wesentlichen Informationen sind direkt am Joystick bzw. Steuergriff angeordnet. Sowohl das eingesetzte Löschmedium Wasser oder Schaum als auch die aktuelle Durchflussmenge können darauf abgelesen werden. Weniger ist in diesem Fall mehr und gewährleistet Bediensicherheit auch in der größten Stresssituation.

PANTHER Kabine: Zentraldisplay mit zentralen Funktionsbutton mit klarer Farbanordnung für Bediensicherheit in Stresssituationen

Zentraldisplay mit zentralen Funktionsbutton mit klarer Farbanordnung für Bediensicherheit in Stresssituationen

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor ist Lärm im Fahrzeug. Lärm lenkt den Fahrer ab und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass laute Geräusche die Orientierungsfähigkeit im Gelände beeinträchtigen und sogar vorübergehend die visuelle Wahrnehmung verschlechtern. Neben dem allgemeinen Lärm, der durch Abrollgeräusche der Reifen und durch den Fahrzeugmotor verursachten wird, ist bei einem FLF die Pumpe während der Anfahrt eine zusätzliche Lärm-Quelle. Hinzukommt auch noch Geräuschentwicklung innerhalb der Kabine durch Kommunikationsmittel wie Funk. Genau diese Problemstellung wurde von Rosenbauer im Zuge der Entwicklung des neuen PANTHER aufgegriffen und optimiert.

Das Erfolgsrezept liegt in der Reduktion der Schwingungsübertragung in die Kabine sowie Maßnahmen in der der Kabine selbst. Durch eine spezielle Lagerung der Kabine und der Pumpenanlage werden Vibrationen vermindert in die Kabine übertragen. Durch eine besondere Konstruktion des Radkastens werden Abrollgeräusche minimiert. Eine Kabinenrückwand aus Sandwich-Paneelen reduziert überdies das Pumpengeräusch. Der Kabineninnenraum wurde mit zusätzlichen schallabsorbierende Elementen, wie einer Dachhimmelverkleidung und Fußmatten im Bereich des Kabinenbodens, ausgestattet.

 

Assistenzsysteme als zusätzliches Add-On.

Für zusätzliche Sicherheit können auch neue Technologien sorgen. Durch moderne Fahrerassistenzsysteme wie beispielsweise ein „Birdview“-System können unübersichtliche Fahrsituationen einfacher und sicherer bewältigt werden. Bei einem Birdview-System handelt es sich um ein Kamerasystem bestehend aus 4 Kameras, die am PANTHER verteilt verbaut werden. Die Bildinformationen dieser Kameras werden zu einem virtuellen Bild im Zentraldisplay des PANTHER zusammengesetzt und simulieren eine Kameraperspektive auf das Fahrzeugdach und das Umfeld (Vogelperspektive). Durch ein solches System können die Risiken, dass Personen und Hindernisse um das Fahrzeug herum übersehen werden, minimiert werden.

Das Informationssystem EMEREC DEVS kann durch die speziell entwickelte Navigationslösung mit einer Wärmebild-Sichtunterstützung auch bei schlechter Sicht zusätzliche Sicherheit gewähren. Durch die FLIR-Wärmebildkamera verbessert sich die Sicht z.B. bei Rauch, Nebel oder Dunkelheit. Das Kamerabild wird auf einem Bildschirm im Fahrzeug dargestellt.

Rosenbauer Kabine: Wärmebild über das Informationssystem EMEREC DEVS

Wärmebild über das Informationssystem EMEREC DEVS

Wie bereits eingangs erläutert ist es das Ziel von Rosenbauer dem Bediener des Fahrzeuges, also der Einsatzkraft, die perfekten Rahmenbedienungen für den Einsatz zur Verfügung zu stellen. Mensch und Technik müssen im Moment des Einsatzes eine Einheit bilden. Dem Bediener muss die Sicherheit gegeben werden Menschenleben retten zu können, ohne dabei auf den Eigenschutz verzichten zu müssen.