Ausgangssituation und grundlegende Änderungen: Was hat sich gegenüber der EN 469:2005 + A1:2006 geändert?

Einsatzbekleidung ReflexstreifenNach 15 Jahren wurde Ende 2020 eine überarbeitete EN 469 veröffentlicht. Es gab in diesem Zeitraum immer wieder Bestrebungen die Norm anzupassen und neue Gegebenheiten zu berücksichtigen – doch erst jetzt hat man sich auf europäischer Ebene auf eine einheitliche neue Version geeinigt.

Schon in der Bezeichnung der Norm: „Schutzbekleidung für die Feuerwehr –Leistungsanforderungen für Schutzkleidung für Tätigkeiten der Feuerwehr“ wird auf einen wesentlich breiteren Anwendungsbereich hingewiesen als bisher. Bereits in der Einleitung wird auf die notwendige Durchführung einer Risikobeurteilung aufmerksam gemacht.
Aber anders als bisher, gibt es auch eine klare Hilfestellung bei der Verwendung von Schutzkleidung der Leistungsstufe X (Wärmeübergang Flamme und Strahlung).
Kleidung der Leistungsstufe 1 ist demnach für die Brandbekämpfung im Außenangriff und damit einhergehenden Unterstützungstätigkeiten zu verwenden.
Für den Innenangriff muss Persönliche Schutzkleidung der Stufe 2 getragen werden.

Auf die steigende Bedeutung der Kontamination bzw. Dekontamination wird ebenfalls gleich in der Einleitung hingewiesen. Dazu gibt es sogar einen eigenen (informativen) Anhang.
Darüber hinaus gehend findet sich auch in der Einleitung gleich ein Hinweis auf das Spannungsfeld zwischen Hitzeschutz und Tragekomfort (Vermeidung von Wärmestau). Dadurch wird zusätzlich zum Hitze- und Flammschutz auch die Bedeutung der Atmungsaktivität hervorgehoben.

Der Großteil der technischen Werte wurde unverändert aus der alten Norm übernommen. Einige wenige Anforderungen wurden erhöht oder sind dazu gekommen. Es sei an dieser Stelle auch noch erwähnt, dass es dem Gesetzgeber, Käufer oder Hersteller auch weiterhin freisteht, PSA-Teile zu definieren, die über die Anforderungen der neuen EN 469 hinausgehen.

 

Welche Veränderungen gilt es im Wesentlichen zu berücksichtigen?

Schutzbekleidung im EinsatzEtliche Prüfungen (insbesondere Wärmeübertragung Flamme und Strahlung) sind sowohl nach Vorbehandlung als auch im Neuzustand durchzuführen – die geforderten technischen Werte an sich bleiben allerdings gleich. Neu dazugekommen ist eine, für Schutzstufe X2, hinzugekommene Kontaktwärmeprüfung. Diese ist bei der EN 659 Feuerwehrhandschuhe schon lange Bestandteil der Anforderung und wurde nun auch für Feuerwehrbekleidung übernommen.

Weitere neue Anforderungen sind die Erhöhung der Reißfestigkeiten der Nähte (von 225 N auf 300 N) und der Wärmewiderstand des Nähgarns.

Die Anforderungen der Wasserdichtigkeit (Y) und Atmungsaktivität (Z) bleiben unverändert. Aber der Hersteller muss bei einer vorhandenen Imprägnierung die maximale Anzahl der Reinigungszyklen angeben, bis zu der eine Nachimprägnierung erforderlich wird.

Die Anforderungen an die Chemikaliendurchdringung wurde von vier auf nun nur mehr zwei „kritische“ Referenzchemikalien reduziert.

In puncto Sichtbarkeit/Wahrnehmbarkeit bleiben die Vorgaben unverändert, wurden aber vom bisherigen Anhang (B) in den Hauptteil der Norm übernommen. Wird retroreflektierendes und fluoreszierendes Material angebracht (keine Muss-Anforderung!), dann müssen dadurch die Körperkonturen erkennbar sein und insbesondere Arme, Beine und Rumpf umschließen.

Einnähetiketten müssen bei einer Größe von mehr als 150 cm² flammhemmend sein und der Hersteller muss einen Vermerk anbringen: „Zu Ihrer Sicherheit muss das Kleidungsstück regelmäßig auf sichtbare Schäden kontrolliert werden“. Die Leistungslevel in der Etikette für Wärmeübergang, Wasserdichtigkeit und Wasserdampfdurchgangswiderstand werden mit den Buchstaben X, Y und Z (1 oder 2) angegeben. Neu ist, dass die Angaben für Wärmeübergang Flamme Xf und Strahlung Xr zu einem Wert X zusammengefasst werden.

 

Ausblick und Herausforderung für die Zukunft

Im Grunde genommen hat man mit dieser neuen Ausgabe der Norm versucht einerseits dem Träger der Feuerwehrbekleidung mehr Schutz zu bieten. Auf der anderen Seite wird die Bedeutung von Atmungsaktivität (Hitzestau) als auch der Stellenwert des Gesundheitsschutzes (Kontaminationsvermeidung, Reinigung und Service von PSA) verstärkt in den Fokus gerückt.

Für die Zukunft wird die Zielsetzung darin bestehen, die Vielzahl an Normen (EN, EN ISO, ISO Normen), die es bereits für Feuerwehrbekleidung generell aber auch immer mehr für spezielle Anwendungsbereiche gibt, gut und sorgfältig aufeinander abzustimmen.

Für die Beschaffer und die Feuerwehren an sich wird die Herausforderung darin bestehen, die Balance zu finden zwischen Kleidungsstücken, die möglichst universell bei unterschiedlichen Gefahrenszenarien eingesetzt werden können und andererseits Kleidungsstücken, die individuell zum Schutz bei speziellen Gefahren (wie technische Rettung, Waldbrand) ausgerichtet sind.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen dass Rosenbauer Schutzanzüge FIRE MAX 3 und FIRE FLEX nach der neuesten Ausgabe der EN469 bereits geprüft sind und entsprechende Baumusterzertifikate im Jänner vorliegen werden.