Wenn man als neu eingestellter Mitarbeiter schon nach zwei Wochen zur Geschäftsleitung ins Büro gerufen wird, schafft das eine bleibende Erinnerung. Und es erscheint mir wirklich wie gestern, dass der damalige technische Geschäftsführer Dr. Helmut Gumbsch mir, dem gerade erst eingestellten Universitätsabsolventen, in einem kurzen Gespräch die Aufgabe der Zertifizierung des ersten, jemals von Rosenbauer nach Japan gelieferten Flughafenlöschfahrzeuges nach japanischen Normen und Vorschriften überträgt.

 

Meilenstein im Flughafenbau

Kansai International Airport befand sich damals im Juli 1992 noch im Bau und wurde als ein Meilenstein in der Entwicklung des Luftverkehrs gesehen. Die Ausbaumöglichkeiten des alten Osaka-Itami Airports waren aufgrund der Besiedelung rund um den Flughafen erschöpft und man entschied sich, in der Meeresbucht vor Osaka eine künstliche Insel für den neuen Flughafen Kansai zu bauen.

Beim Bau wurde im wahrsten Sinne des Wortes absolutes Neuland beschritten. Ein Betonring grenzte die Insel ein und diese wurde dann teilweise mit Eisenerz und Schotter aufgeschüttet, um das Terminalgebäude und die Verkehrsflächen wie Runways und Taxiways zu beherbergen. Man rechnete schon während der Planung mit einem Absinken der Schüttung, daher wurde das ca. 1,7 km lange Terminal auf verstellbare Stelzen gestellt, um individuell die Veränderungen des Untergrundes ausgleichen zu können.

Also ein echter Meilenstein im Flughafenbau! Etwas worauf Japan – bekannt als Hochtechnologieland – natürlich besonders stolz war. Als es dann darum ging, für den neuen Flughafen entsprechende Flugfeldlöschfahrzeuge anzuschaffen, war man natürlich bemüht, auch hier technologisch das Beste des damals Machbaren anzuschaffen.

 

Technologischer Fortschritt im Vordergrund

Nach der Gründung im Jahr 1866 feierte Rosenbauer im Herbst 1991 das 125-Jahr-Jubiläum und präsentierte zu diesem Anlass die neue PANTHER Baureihe der Öffentlichkeit. Unser japanischer Vertriebspartner Teikoku Sen-I (Teisen) war ebenfalls eingeladen und verstand sofort, dass der PANTHER von Beginn an weltweit die Technologieführerschaft im Segment der Flugfeldlöschfahrzeuge darstellte.

Damit war die Verbindung zu Kansai Airport klar hergestellt. Die Mission war, dass der technologisch fortschrittlichste Flughafen auch das technologisch fortschrittlichste Löschfahrzeug bekommen soll. Teisen schloss gemeinsam mit dem zuständigen Vertrieb von Rosenbauer im Juni 1992 den Vertrag über die Lieferung von zwei Stück PANTHER 6×6 an Kansai International Airport in Osaka ab. Dies verursachte unter den auch sehr fortschrittlichen lokalen Herstellern in Japan großes Unbehagen. Es war schließlich der erste und besonders öffentlichkeitswirksame Markteintritt eines ausländischen Herstellers auf einem japanischen Flughafen.

Um sicherzustellen, dass dieses neue Fahrzeug auch wirklich den strengen japanischen Vorschriften entspricht, war von Beginn an klar, dass das Fahrzeug bis ins letzte Detail geprüft und zertifiziert werden muss. Um dies zu gewährleisten, wurde vom Kunden ein auf Feuerwehrgeräte spezialisiertes japanisches Testinstitut beauftragt. Die Koordination dieser Zertifizierungen zwischen den verschiedenen Abteilungen von Rosenbauer und dem japanischen Institut war von nun an meine Aufgabe.

 

Testen bis ins kleinste Detail

Zertifizierung und Test erfolgten daraufhin in zwei Stufen. Die erste Stufe vor dem eigentlichen Bau der Fahrzeuge war eine Zertifizierung der Einzelkomponenten nach japanischer Feuerwehrnorm. Die zweite Stufe war dann die Homologierung und schließlich die Abnahmetests der fertigen Fahrzeuge vor der Auslieferung.

Die ersten Tests begannen am 18. November 1992. Warum ich mich an das Datum noch so genau erinnern kann? Am 17. November 1992 wurde ich zum ersten Mal Vater und daher war die zeitliche Koordination zwischen dem hohen Besuch der Testingenieure aus Japan und dem Besuch meiner jungen Familie im Krankenhaus schon alleine eine Herausforderung mit bleibender Erinnerung.

PANTHER 6x6 für den Kansai International Airport

Die beiden ersten PANTHER 6×6 für Japan wurden auf Herz und Nieren getestet.

Die Tests dauerten fast fünf Wochen und alles wurde bis ins kleinste Detail geprüft. Dauerläufe von bis zu drei Tagen von Pumpen, Ansaugpumpen oder Antriebsmotoren, Leistungstests von Pumpe und Schaumsystem, teilweise bis an die physikalischen Grenzen der Komponenten, Zerlegung in Einzelteile inklusive Vermessung der Teile wurden gefordert und mit Bravour bestanden.

Die Testingenieure hatten nicht nur ihre eigenen Messgeräte aus Japan mitgebracht, sie erhielten von unserem Partner überdies eine große Kiste an japanischen Lebensmitteln. Man wollte sicherstellen, dass sich die japanischen Gäste für die geplanten Wochen fernab von zu Hause wohl fühlen, denn ein permanent hungriger Testingenieur wäre sicherlich ein Problem gewesen. Man stellte bald fest, dass das österreichische Essen bekömmlich war und die japanischen Fertiggerichte blieben nahezu unangetastet.

Die Kommunikation war etwas schwierig. Es gab immer langwierige Übersetzungen – von Deutsch zu Englisch, von Englisch zu Japanisch, von Japanisch zu Englisch, von Englisch zu Deutsch – die sehr mühselig waren und sich ganze fünf Wochen lang hinstreckten.

Doch die harte Arbeit und die gute Zusammenarbeit mit den Kunden und Partnern hat sich gelohnt, was die schmeichelnden Worte des sehr erfahrenen Cheftestingenieurs zeigen:
„Wir sind aus Japan nach Österreich aufgebrochen, um zu beweisen, dass Hersteller die nicht aus Japan kommen, die strengen japanischen Standards und Zertifizierungsanforderungen nicht erfüllen können. Wir haben jetzt bei Rosenbauer fünf Wochen mit einigen der besten Leute der Feuerwehrindustrie verbracht und heute können wir sagen, dass Rosenbauer nicht nur die strengsten Anforderungen erfüllt, sondern dass die Produkte, die wir getestet haben, die besten sind, welche wir in unserer Laufbahn als Testingenieure jemals getestet haben. Wir bedanken uns für diese Erfahrung und wir werden es in Japan jedem erzählen, wie gut Rosenbauer Produkte sind!”

 

Ab 1993 im Dienst

Zwei PANTHER 6x6 für Kansai International Airport

1994 wurden die beiden PANTHER 6×6 am Kansai International Airport in den Dienst gestellt.

Im Jahr darauf wurden die beiden PANTHER als Komplettfahrzeuge wiederum auf Herz und Nieren geprüft. Diese Abnahmetests dauerten sogar sechs Wochen und auch diese wurden mit größtem Erfolg bestanden. Im Herbst 1993, noch vor Fertigstellung von Kansai International Airport, wurden die Fahrzeuge ausgeliefert. Der Flughafen eröffnete am 4. September 1994 und die beiden Rosenbauer PANTHER waren das Herzstück und der ganze Stolz der natürlich ebenfalls neu gegründeten Flughafenfeuerwehr.

Die PANTHER leisteten viele Jahre gute Dienste und wuchsen der Mannschaft sehr ans Herz. Für mehr als 18 Jahre standen sie ununterbrochen im Dienst. Als es Zeit war, die PANTHER in Pension zu schicken entschloss man sich, einen RM 60 E Monitor im feuerwehreigenen Museum als Erinnerungsstück zu bewahren. Während des offiziellen Besuches eines Rosenbauer Mitarbeiters am Kansai International Airport im Juli 2017 wurde dann der Monitor aus dem Museum geholt und im Zuge einer großen Zeremonie in einen religiösen Schrein übergeführt, ein Zeichen der Dankbarkeit der Feuerwehrleute für die wertvollen Dienste, den die österreichischen Fahrzeuge über viele Jahre leisteten.

RM 60 E Monitor für Feuerwehrmuseum Kansai International Airport

Im Jahr 2017 wurde der Hauptwerfer des ersten PANTHER, der RM 60 E Monitor, dem Senshu Aviation Shrine gewidmet, in dem ein Luftfahrtmuseum untergebracht ist wo Flugzeugteile und luftfahrtbezogene Exponate ausgestellt sind.

RM 60 E Monitor - Kansai International Airport

Der Senshu Aviatin Shrine in der Nähe des Kansai International Airport wurde in der Anfangsphase der Bauplanung für den Flughafen errichtet, um für sichere Luftfahrt und Reisen zu beten.

 

Nun bin ich schon ein paar Jahre älter und gesamtverantwortlich für alle Aktivitäten von Rosenbauer in Asien und Pazifik. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn man nach vielen Jahren auf einen sehr erfolgreichen und vor allem auch auf einen von Kunden so geschätzten Markteintritt von Rosenbauer zurückblicken kann. Immerhin sind bisher durch die großartige Leistung von vielen Rosenbauer Mitarbeitern mehr als 100 PANTHER nach Japan ausgeliefert worden.

5 Rosenbauer PANTHER am Kansai International Airport

Die aktuelle PANTHER-Flotte am Kansai International Airport: Vier PANTHER 6×6 mit HRET (ausgeliefert 2019) und ein PANTHER 6×6 mit Dachwerfer.