Die technologische Entwicklung in der Automobilindustrie schreitet in schnellen Schritten voran. Längst gehören Airbags und Rückhaltesysteme an den verschiedensten kritischen Stellen eines Fahrzeugs zur Standardausrüstung. Die Verarbeitung von ultrahochfesten Stählen und Rahmenverstärkungen bieten den Insassen eines modernen Fahrzeugs im Falle eines Unfalls einen umfassenden Schutz. Durch diese laufenden Entwicklungsarbeiten werden neue Maßstäbe in Bezug auf Sicherheit gesetzt. Zudem verspricht die neue Generation an Fahrzeugen neben den klassischen Schutzmechanismen für Fahrzeuginsassen, eine Vielzahl an zusätzlichen Assistenzsystemen und Sicherheitsfeatures die Unfälle vermeiden, Schäden vermindern und in kritischen Situationen entsprechenden Schutz bieten.

Pauschal betrachtet ließe sich so die Aussage treffen, dass moderne Technik unsere Fahrzeuge sicherer macht und somit das Verletzungsrisiko sinkt bzw. die Chance steigt, einen schweren Unfall unbeschadet zu überstehen.

Jedoch sollte man einen Blick hinter die Kulissen dieser neuen „Sicherheitsfeatures“ werfen, denn technologische Errungenschaften können durchaus ein Gefahrenpotential für verunfallte Personen aber auch für die Rettungskräfte darstellen.

 

Direkte und indirekte Risikofaktoren

Gefahrenpotentiale lassen sich grundsätzlich in direkte und indirekte Risikofaktoren unterteilen.

Unter die direkten Risiken fallen Fahrzeugkomponenten, wie zum Beispiel nicht ausgelöste Airbags und deren Gasgeneratoren, die im Falle eines unkontrollierten Auslösens während der Rettung eine große Verletzungsgefahr für die Fahrzeuginsassen wie auch für die Retter darstellt. Zum Beispiel enthalten Patronen von Airbaggeneratoren ein auf bis zu 700 bar verdichtetes Treibgasgemisch.

Komponenten moderner Fahrzeugkonzepte, den „alternativen Antriebssystemen“ wie Erdgas-, Flüssiggas-, Hybrid-, Elektro- und Wasserstoff, zählen auch zu den direkten Risikofaktoren. So bedarf es am Beispiel von Elektro- oder Hybridfahrzeugen einem geänderten Vorgehen bei der Rettung. Von der Gefahr eines Stromschlages durch Komponenten der Hochvoltsysteme und deren Leitungen bis hin zum Brand- und Explosionsrisiko von verbauten Batterieelementen – für ein sicheres und effektives Vorgehen im Einsatzfall sind zusätzliche Informationen zu diesen Komponenten notwendig.

Golden Hour of Shock - RosenbauerAls indirekte Faktoren sind die gestiegenen Anforderungen an die Sicherheit von Fahrzeuginsassen in der Form von verstärkten Fahrgastzellen zu benennen. Fluch wie auch Segen, denn die Verwendung von ultrahochfesten Materialien beeinflussen massiv eine schnelle Rettung von verletzten Personen aus Fahrzeugen. Durch die Verwendung warmumgeformter Stähle nimmt die Bruchdehnung der Materialien entsprechend ab, d.h. es sind höhere Arbeitsdrücke der Schneide- und Spreizwerkzeuge notwendig, was den Einsatz erschwert und die Rettungszeit verlängert. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der sogenannten „golden hour of shock“ – also der goldenen Stunde, in der nach wissenschaftlichen Studien zufolge die wichtigsten medizinischen Maßnahmen gesetzt werden sollen.

 

 

Interaktive Moditech Crash Recovery Datenbank

EMEREC FF SautensEine wichtige Voraussetzung für eine effiziente und effektive Rettung ist daher eine genaue Kenntnis zur Lage und Funktionsweise der Verstärkungsbauteile, Sicherheitselemente und Antriebskomponenten. Als unterstützendes Tool bietet zum Beispiel die interaktive Moditech Crash Recovery Datenbank entsprechende Rettungsinformationen in mobiler Form an. Durch die stetig steigende Vielfalt der Fahrzeugmodelle wird jedoch eine genaue Identifizierung der jeweiligen Variante, speziell bei verunfallten Fahrzeugen, zu einer Herausforderung. Hier unterstützt Moditech mit der integrierten Funktion einer Abfrage von KFZ Kennzeichen zur genauen Identifizierung der Fahrzeug- und Modellvariante. Basierend auf diesen Informationen können Rettungskräfte kritische Komponenten genau lokalisieren bzw. identifizieren und so das einsatztaktische Vorgehen danach ausrichten. Diese Funktion leistet somit einen sehr wichtigen Beitrag zur „golden hour“.

Die Möglichkeit zur Kennzeichenabfrage besteht bereits in vielen Ländern wie zum Beispiel in den Niederlanden, Schweden, Norwegen, Dänemark, Großbritannien und den USA – auch Deutschland hat im Februar 2013 diese Funktion durch eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes ermöglicht.

So sitzt bei der Rettung einer Person aus einem Unfallfahrzeug jeder Handgriff, es wird eine schnelle und umfassende medizinische Patientenversorgung vor Ort und in weiterer Folge im Krankenhaus ermöglicht.

In Österreich ist ein Zugang zu diesen Informationen aufgrund der fehlenden Klärung der gesetzlichen Situation derzeit noch nicht möglich – bleibt zu hoffen, dass sich die verantwortlichen Gremien mit diesem Thema zeitnahe auseinandersetzen.