Individualisierung ist einer der beherrschenden Megatrends in der heutigen Zeit. Der Mensch strebt immer mehr danach, individuelle Lebenswege zu bestreiten, was einher geht mit dem Wunsch nach mehr Autonomie und Selbstbestimmung. Begünstigt wird dieser Trend vor allem durch den technologischen Fortschritt – Stichwort Digitalisierung, Connectivity, Internet of Things, 3D Druck, Big Data etc. – wobei es mittlerweile fast keinen Lebensbereich mehr gibt, in dem individualisierte und auf den Kunden zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen nicht denkbar wären. Angefangen vom Müsli über Sportschuhe bis hin zum Auto – all das kann sich der Kunde bereits mittels Konfiguratoren nach seiner persönlichen Wunschvorstellung und gemäß seinen persönlichen Bedürfnissen zusammenstellen, und das alles ohne aufwändiger Sonderanfertigung von Seiten des Produzenten.

Individualisierung macht natürlich auch im Feuerwehrsektor nicht Halt und beschränkt sich mittlerweile auch nicht nur darauf, dass jedes Löschfahrzeug individuell nach den persönlichen Wünschen der Feuerwehr konfiguriert und bestückt wird. So könnte sich beispielsweise das Fahrzeug automatisch auf den jeweiligen Fahrer einstellen – beginnend mit der Fahrersitzposition über Displayanzeige bis hin zum Fahrverhalten an sich. Insbesondere bei Kraftfahrern bei freiwilligen Feuerwehren, die oftmals über keine regelmäßige Fahrpraxis verfügen, könnte diese individuelle Anpassung durchaus von praktischem Nutzen sein.

Mit zunehmender Wirtschaftlichkeit des 3D-Druck-Verfahrens wird es im Bereich der Ersatzteilbeschaffung leichter, für defekte Bauteile auch nach über 20 Jahren exakt passende Ersatzteile zu bekommen, indem sie bei Bedarf ausgedruckt werden können. Neue Technologien wie das 3D-Druck-Verfahren werden darüber hinaus eine individualisierte Anpassung der persönlichen Schutzausrüstung – z.B. Helm oder Einsatzstiefeln, die an die Körperform angepasst werden – ermöglichen. Auch können über integrierte Sensoren in der Einsatzbekleidung diverse Messdaten wie physiologische Werte oder Telemetrie Daten im Atemschutzeinsatz der jeweiligen Einsatzkraft an eine zentrale Einsatzleitstelle übertragen werden, wo sie zum Schutz der Einsatzkräfte überwacht und für spätere Auswertungen aufgezeichnet werden können.

Dadurch, dass nicht nur die Einsatzgeräte, Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände komplexer, sondern auch die Einsatzszenarien der Feuerwehren vielseitiger werden, wird man die Aus- und Weiterbildung der Einsatzkräfte vom klassischen „Gießkannenprinzip“, nach dem jeder ein bisschen von allem können muss, ebenfalls weiterdenken. Somit könnte individualisierte Ausbildung, bei der Spezialwissen an eine Handvoll Feuerwehrleute weitergegeben werden, auch in Form von E-Learning Tools bei den Feuerwehren zunehmen.

Individualisierung hat jedoch auch einen Einfluss auf das „Ehrenamt“ an sich. Während früher noch kollektive Werte wie Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft junge Leute dazu geführt haben, sich bei der freiwilligen Feuerwehr zu engagieren, macht es der Werte-Wandel hin zum „Leben und Freizeit genießen“ teilweise herausfordernd, junge Menschen für ehrenamtliche Tätigkeiten zu begeistern.
Dabei stellt sich häufig die Frage: Wie kann die persönliche Entwicklung mit einem Nutzen für die Gesellschaft und für sich selbst gekoppelt werden?