„Und, wie sieht es mit der Reichweite aus?“ – eine Frage, die bei Diskussionen über Elektroautos meist zuerst gestellt wird, und häufig auch in Kommentaren zum Rosenbauer RT/RTX (Revolutionary Technology) zu lesen ist.

Im Kontext eines Löschfahrzeugs, bei welchem durch sein begrenztes Einsatzgebiet üblicherweise eine reduzierte Laufleistung vorliegt, sind es aber weniger die gefahrenen Kilometer, sondern die Arbeitszeit am Einsatzort und auch die Dauereinsatzfähigkeit, die von weitaus größerem Interesse ist. Jedoch hat sich die elektrische Reichweite bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen bereits als eine Vergleichs-Kennziffer manifestiert, und in diesen Blogbeitrag möchte ich dazu mehr ins Detail gehen.

„Weniger“ ist oft „Mehr“

Rosenbauer RTDer Rosenbauer RT/RTX ist ein vom Grunde auf von Rosenbauer entwickeltes Gesamtfahrzeug, somit war auch die Dimensionierung des Hochvolt-Batteriespeichers ein zentrales und viel diskutiertes Entwicklungsthema.

Wie im Allgemeinen bei Elektrofahrzeugen, bestimmt die nutzbare Batteriekapazität primär die elektrische Reichweite. Hinzu kommen Einflussfaktoren wie Fahrstil und -geschwindigkeit, Fahrzeuggewicht, Streckenverlauf und Außentemperatur. Auch Verbraucher im Fahrzeug wie Kabinenklimatisierung oder Pumpenbetrieb an der Einsatzstelle wirken sich auf die Reichweite aus, welche diese einschränken können. Hingegen kann Rekuperation, also die Rückgewinnung der Bremsenergie den Ladezustand des Batteriespeichers wieder etwas anheben.

Klar ist somit, dass mit einem größeren Batteriespeicher auch mehr Reichweite ermöglicht wird. Allerdings steht dies im Konflikt mit anderen Aspekten, die insbesondere bei einem Löschfahrzeug kritisch zu betrachten sind. Es gilt hierbei den optimalen Kompromiss zu finden, zwischen maximaler elektrischer Reichweite bzw. elektrischer Betriebsdauer vs. Platzbedarf, Gewicht und Kosten des Batteriespeichers. Und so kommt es, dass weniger Batteriekapazität eigentlich einen besseren Nutzen für den Anwender bietet. Weniger Batteriekapazität, bedeutet also mehr Raum für Ausrüstung, mehr Zuladung für Löschmittel und Geräte, und mehr Kosteneinsparungen bei der Anschaffung.

Aber wieviel ist ausreichend wenig, aber trotzdem viel genug?

Um diese zentrale Frage zu beantworten, gilt es den Einsatzalltage eines elektrischen Feuerwehrlöschfahrzeugs ausreichend zu recherchieren und diskutieren. Wie sieht das Nutzungsprofil und Einsatzspektrum eines Löschfahrzeugs aus? Wie oft und wie weit wird täglich gefahren? Welche Leistungsanforderungen gibt es auf der Einsatzstelle, wie z.B. von der Löschwasserpumpe? Wie häufig und für wie lange steht das Fahrzeug zwischen den Einsätzen in der Feuerwache zum Nachladen des Batteriespeichers? Welche Ladeinfrastruktur mit welcher Ladeleistung kann an der Wache installiert werden?

Darüber hinaus gibt es auch Anforderungen aus der Normenwelt. So schreibt bspw. die aktuell gültige EN1846 für Feuerwehrfahrzeuge vor, dass ein Löschfahrzeug 300 km fahren oder 4 h Pumpeneinsatz absolvieren muss, ohne dieses nachzutanken. Diese Energiemenge ist von unzähligen Faktoren abhängig, lässt sich aber abschätzen. Unter den oben genannten Randbedingungen, bedeutet diese Anforderung bei einem rein-elektrischen Löschfahrzeug eine verfügbare Batteriekapazität von ca. 250-300 kWh, aber dies zugleich auch ca. 3.000 kg Gewicht und erheblichen Beladeraumverlust im Aufbau sowie Mehrkosten.

100 kWh sollten es schon sein, um zumindest die meisten Einsätze elektrisch zu machen

In enger Abstimmung mit unseren Leadkunden, welche bereits während der Entwicklungsphase die Anforderungen an das Vorserienfahrzeug stellten, wurde ein Konsens gefunden und somit eine Zielmarke definiert: 100 kWh um ca. 80 % der Einsätze rein elektrisch zu bewältigen.

Beim RT/RTX bieten wir dem Kunden zwei Varianten: die einfache (66 kWh) und doppelte Kapazität (132 kWh), ähnlich wie bei verfügbaren elektrischen PKWs am Markt. Dies bietet dem Kunden eine gewisse Freiheit, das Fahrzeug unter Berücksichtigung vorgegebener Normen und persönlichen Beladungswünschen zu konfigurieren und auf ein individuelles Nutzungsprofil der Feuerwehr abzustimmen.

Wie weit kommt man also?

Wie vorhin bereits erwähnt, ist die Reichweite von mehreren Faktoren abhängig. Zudem gibt es für elektrische LKW‘s noch kaum standardisierte Testprogramme, wie man sie bereits von Elektroautos kennt (z.B. WLTP – Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure für PKW’s und Nutzfahrzeuge bis 3,5 t). Um also eine Angabe machen zu können, sind wir angewiesen auf die bereits angesammelten Erfahrungen bei Testfahrten, durchgeführt von unterschiedlichen Testfahrern bei verschiedensten Randbedingungen.

In der RT/RTX Konfiguration mit einem bzw. zwei Batteriespeichern, kann somit als Richtwert eine elektrische Reichweite von bis zu 50 bzw. 100 km angegeben werden.

Was aber, wenn der Akku leer ist?

Nun ja, ein Feuerwehrlöschfahrzeug muss stets einsatzbereit und auch katastrophensicher sein. Somit war es von Anfang an klar, es muss eine sekundäre Energiebereitstellung im Fahrzeug installiert sein. So kommt im RT/RTX ein performanter und kompakter Dieselmotor (225kW, 6 Zylinder, 3.0 l) als Range-Extender zum Einsatz, welcher in Verbindung mit einem Elektromotor/Generator für ausreichend Energienachschub sorgt. Eine automatische Aktivierung bei Erreichen eines niedrigen Ladezustand-niveaus gewährleistet, dass auch im Einsatz nicht darauf vergessen wird und somit der Batteriespeicher nicht entleert wird. Mit diesem integrierten Kraftwerk kann das Fahrzeug während der Fahrt, aber auch an der Einsatzstelle den Batteriespeicher nachladen. Der Dieseltank fasst 125 Liter, und kann bei Bedarf auch wie bei einem konventionell angetriebenen nachgetankt werden. Somit ist eine dauerhafte Energieversorgung und somit auch Einsatzbereitschaft des Fahrzeugs gegeben.

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