Seit der Präsentation des Concept Fire Trucks (CFT) im Herbst 2016 konnten sich schon viele Feuerwehren und Feuerwehrexperten ein Bild von den besonderen Funktionalitäten und ergonomischen Vorteilen des Fahrzeugkonzeptes machen. Dabei stellt sich heraus, dass einige der Feuerwehrtrends, für die der CFT Lösungsansätze bieten soll, besonders wichtig erscheinen. An vorderster Stelle stehen die Themen Gesundheit und Sicherheit, gefolgt von dem durch die Klimakrise verstärkten Trend der neuen Ökologie, dem Megatrend Mobilität und dem weiteren Fortschreiten der Urbanisierung.

Hinsichtlich der unzähligen Funktionalitäten des CFT stechen folgende Innovationen am deutlichsten hervor: Fahrsicherheit, Agilität (d.h. kleine Wendekreise), einfache Bedienung, Ergonomie und Fahrperformance.

Der Concept Fire Truck erfüllt somit die modernen Ansprüche der Politik und Bevölkerung nach weniger Schadstoffausstoß und verbindet diese in perfekter Weise mit einem zu hundert Prozent auf die Anforderungen der Feuerwehr ausgerichtetem Arbeitsgerät.

Aber wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus? Kann sich eine Gesellschaft, eine Feuerwehr so ein Fahrzeug künftig überhaupt leisten?

Im Vordergrund sollte der Nutzen stehen, der durch dieses Fahrzeugkonzept geschaffen werden kann. Diesem Nutzen kann ein Wert beigemessen werden, der sogenannte Nutzwert. Wesentlich dabei ist, dass dieser Nutzwert über den Produktlebenszyklus im Verhältnis zum Anschaffungswert gesehen wird und so eine gesamtheitliche Betrachtung ermöglicht wird.

Der Nutzen bzw. der Nutzwert kann im Vergleich zu derzeit eingesetzten Fahrzeugkonzepten erfolgen, sinnvollerweise jedoch auch im direkten Vergleich zu künftigen möglichen Konzepten, die auf elektrifizierten LKW-Chassis aufbauen. Dabei können wir direkte und indirekte Nutzwertpotentiale unterscheiden.

Direkter und indirekter Nutzwert des CFT

 

Direkte Nutzwertpotentiale

Aus dem Antriebskonzept des CFT bzw. künftigen Serienfahrzeugen mit CFT-Technologie ergibt sich der Nutzwert in Form von Einsparungspotentialen bei den Wartungskosten, insbesondere jedoch bei den Energiekosten. Geht man von einem zu 90 % elektrischen Betrieb des Fahrzeuges bei einer durchschnittlichen jährlichen Laufleistung einer Berufsfeuerwehr von 10.000 km aus, so kann auf Basis der derzeitigen Energiekosten eine jährliche Einsparung von mehreren tausend Euro erzielt werden.

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht eine wirtschaftliche Gegenüberstellung verschiedener Antriebsformen. Hier wird aufgezeigt, wie viel es kostet mit einem PKW eine Distanz von 100 km zurückzulegen.

Kraftstoffkostenvergleich eines PKW auf 100 km

Da bei gleicher Fahrzeuglänge der Wendekreis der CFT-Technologie wesentlich kleiner ist, kann die Fahrzeuglänge etwas größer ausfallen, wodurch mehr verfügbarer Geräteraum entsteht und mehr Ausrüstung im Fahrzeug gehaltert werden kann. Zusätzlich können aufgrund der besonderen Fahrzeugarchitektur mit ausbalancierter Achslastverteilung die maximal zulässigen Achslasten besser ausgereizt werden. Beide Effekte können zu einer Optimierung der Fahrzeugbeladung und somit der Flotte führen, wenn beispielsweise die Ausrüstung einiger Spezialfahrzeuge in den Standardfahrzeugen seinen Platz findet. Darüber hinaus bieten reduzierte Schnittstellen bei der Beschaffung, beim Training und beim Service weitere Einsparungspotentiale. Dies alles kann über den Lebenszyklus gerechnet in einem Nutzwertpotential von über 100.000 EUR resultieren und ist im Vorfeld auch einigermaßen gut abschätzbar.

 

Indirekte Nutzwertpotentiale

Den weitaus größeren Anteil machen jedoch die sogenannten indirekten Nutzwertpotentiale aus. Diese ergeben sich im Wesentlichen aus der hochfunktionalen und ergonomischen Fahrzeugarchitektur und der vernetzten Einbettung des Fahrzeuges in digitale Systemlösungen.

In erster Linie wird dabei der Erhalt der Gesundheit und Einsatzfähigkeit der Feuerwehrleute massiv unterstützt. Ergonomische Voraussetzungen, bei der nicht die Person zur Ausrüstung (hinauf) muss, sondern sich das Fahrzeug absenken lässt, sodass die Ausrüstung zur Person (herunter) kommt, werden über unzählige Einsatzstunden hinweg dauerhaft die Arbeit erleichtern und den Bewegungsapparat schonen. Insbesondere die niedrige Einstiegshöhe und die Stehhöhe im Mannschaftsraum bieten viel Komfort und Sicherheit.

Durch das Absenken des Fahrzeuges kann auch auf Auftrittsklappen verzichtet werden, die nicht nur ergonomische Nachteile aufweisen, sondern auch ein Sicherheits- und Verletzungsrisiko darstellen können. Dadurch wird längeres ermüdungsfreies Arbeiten erleichtert und die Ausfallsstatistik verbessert.

Ergonomie des CFT

 

Neben der physischen Belastung wird auch die psychische Belastung der Einsatzkräfte ein immer wichtigerer Einflussfaktor. Aufgrund des großen Energiespeichers kann künftig am Einsatzort über einen langen Zeitraum rein elektrisch gearbeitet werden. Energie für Beleuchtung und diverse Nebenverbraucher steht für Stunden zur Verfügung – dies alles ohne Lärm- und Schadstoffemissionen. Darüber hinaus erspart die Netznachbildung mit 18 kW Anschlussleistung die Anschaffung eines Stromerzeugers.

 

Digitale Möglichkeiten

Die Nutzung des Fahrzeuges als sicherer WLAN Hotspot ermöglicht die Bedienung und Funktionsüberwachung über ein Tablet auch außerhalb des Fahrzeuges. Parallel dazu ergibt sich durch die Integration des Einsatzmanagementsystems EMEREC die Möglichkeit, alle relevanten Informationen im Fahrzeug darzustellen sowie auch über das Einsatz-Tablet abzurufen. Neben den klassischen Statusinformationen (Tankinhalt, Schauminhalt, Pumpendruck etc.) kann auf mannigfaltige Datenbanken (Hydranten-Informationen, Chemiedaten, KFZ- und Gebäude-Daten etc.) in Echtzeit zugegriffen werden. Daraus resultiert eine hocheffiziente Arbeitsweise, die es beispielsweise dem Maschinisten erlaubt, sich zeitweise vom Fahrzeug zu entfernen, um seine Kameraden zu unterstützen.

Einfache und intuitive Bedienkonzepte sorgen dafür, dass keine Überforderung eintritt und es leichtfällt, die Kontrolle zu behalten, so dass auch jene Generationen, die noch nicht mit den digitalen Möglichkeiten aufgewachsen sind, ruhig und konzentriert die richtigen Bedienentscheidungen treffen können. Die Bedienphilosophie ist nicht nur ansprechend und gut durchdacht, sondern auch auf technologischem Letztstand. So wie es die Generationen Y und Z erwarten.

Und um das geht es schließlich ja auch, dass die Begeisterung für das Feuerwehrwesen durch den technologischen Fortschritt gefördert wird und sich somit auch künftig viele junge Talente motivieren, diesen herausfordernden und spannenden Beruf zu ergreifen!